Vogts lässt Türkei vor Scham im Boden versinken
Istanbul (dpa) - 13.10.2010, 15:42 Uhr
Berti Vogts führt Aserbaidschan zum Sieg.
Scham und Schande am Bosporus, Feiertagstimmung bei Berti Vogts in Aserbaidschan: Nach der historischen Schmach von Baku geht in der Türkei bereits die Angst vor dem nächsten verpassten Großturnier um. Schwer angezählt von der erbarmungslosen türkischen Presse muss Trainer Guus Hiddink sogar mit der Entlassung rechnen. Vogts kommentierte den größten Erfolg der Verbandsgeschichte indes mit einem Seitenhieb: «Jeder in der Türkei weiß jetzt wohl, dass es auf der Fußballweltkarte auch Aserbaidschan gibt.» Seine Akteure, von denen nur zwei so etwas wie internationale Erfahrung aufweisen können, lobte der frühere Bundestrainer in höchsten Tönen: «Sie haben mit ihren Herzen gespielt.»
So sehr Vogts den größten Erfolg seiner Amtszeit am Kaspischen Meer («Das Glück war heute doch auf unserer Seite») und die direkte Amtshilfe für Gruppenfavorit Deutschland genoss, so ratlos war sein routinierter Kollege Hiddink. «Diese Niederlage kann ich nicht akzeptieren», meinte der Niederländer, der gegenüber der 0:3-Schlappe gegen Deutschland in Baku gleich sieben neue Spieler reinrotiert hatte - ohne Erfolg. Die Sportzeitung «Fanatik» berichtete, Hiddink wolle die Option auf eine Vertragsverlängerung über 2012 hinaus nicht mehr nutzen. Mit sechs Zählern aus vier Spielen rangiert die Türkei in der Tabelle der EM-Qualifikationsgruppe A nun schon sechs Punkte hinter dem verlustpunktfreien DFB-Team. Österreich, das in Belgien zu einem Last-Minute-Unentschieden (4:4) kam, hat bei einem Spiel weniger einen Punkt Vorsprung. Im März empfangen Hamit Altintop und Co. in einem wohl vorentscheidenden Match um Platz zwei die Kicker aus der Alpenrepublik. Aufbauende Worte erfuhren die Türken von Vogts: «Die Türkei hat kein schwaches Team, sie kann noch Gruppenzweiter werden.» |