Red-Sox-Eigner kaufen Liverpool - Nachspiel droht
London (dpa) - 06.10.2010, 12:31 Uhr
Für den englischen Fußball-Rekordmeister FC Liverpool hat sich ein Käufer gefunden.
Für Englands angeschlagenen und hoch verschuldeten Fußball-Rekordmeister FC Liverpool könnte es die Rettung sein. Der «Reds»-Vorstand nahm ein Übernahmeangebot des amerikanischen Unternehmens New England Sports Venture (NESV) an, dem auch das Baseballteam Boston Red Sox gehört. Rund 300 Millionen Pfund (knapp 350 Millionen Euro) zahlen die Amerikaner laut britischen Medienberichten für Liverpool - genug, um den Traditionsverein mit 18 nationalen Meistertiteln aus der akuten Schuldenfalle zu befreien. Allerdings muss die Premier League noch zustimmen, und die Noch-Eigner drohen bereits mit einem juristischen Nachspiel. Mit NESV im Rücken könnte der Club von der Anfield Road mit globaler, aber zuletzt enttäuschter Fangemeinde aufatmen. Zwar ist Liverpool gemeinsam mit Manchester United Englands Rekordmeister, doch der letzte Meisterpokal datiert von 1990. Das alte Stadion bröckelt, ein Neubau ist bei der aktuellen Verschuldung schwierig. In der Champions League gelangen den «Reds» immer noch Coups, wie der Sieg 2005 und die Final-Teilnahme 2007 beweisen. Doch zuletzt ging dem Verein die Puste aus, Liverpool wurde 2009/2010 nur Siebter in der Meisterschaft, trennte sich von Trainer Rafael Benitez und erlebt unter dessen Nachfolger Roy Hogdson als aktueller Drittletzter den schlechtesten Saisonstart seit 1953.
«Das Angebot von NESV hat unseren Kriterien am meisten entsprochen. Ihre Philosophie dreht sich ums Gewinnen, wie sie mit den Red Sox bewiesen haben», erklärte der Club-Vorsitzende Martin Broughton. «Indem es die Last der Übernahmeschulden nimmt, erlaubt uns das Gebot, uns auf Investitionen in die Mannschaft zu konzentrieren.» Doch die bisherigen Eigner, die Amerikaner Tom Hicks und George Gillett, verlangen weiter das Doppelte - 600 Millionen Pfund - und wollen den Verkauf noch mit rechtlichen Schritten zu Fall bringen. «Dramatisch unterbewertet» werde der Club durch das NESV-Gebot, erklärten die bei den Liverpool-Fans verhassten Ex-Besitzer, die den Verein immer tiefer in die Schuldenkrise stürzten. Zuvor hatten sie versucht, Mitglieder des von ihnen selbst bestellten Vorstand zu entlassen und durch Strohmänner wie Hicks Sohn Mack zu ersetzen. In den dreieinhalb Jahren seit der Übernahme Anfang 2007 - damals zahlten die beiden 174 Millionen Pfund (200 Millionen Euro) - hatten Hicks und Gillett, die zwischenzeitlich auch noch zerstritten waren, Verbindlichkeiten von 351,4 Millionen Pfund aufgehäuft. Davon werden rund 280 Millionen, die die beiden für die Übernahme aufnahmen, am 15. Oktober bei der mittlerweile im britischen Staatsbesitz befindlichen Royal Bank of Scotland (RBS) fällig, die bei dem Übernahmepoker ein gewichtiges Wort mitredet.
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