Der faktische wirtschaftliche Zusammenbruch mehrerer Clubs veranlasste die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos, eine Gesetzesnovelle im Parlament einzubringen. Demnach sollen die Clubs, die sich heute oft im Besitz einiger weniger Unternehmer befinden, in Aktiengesellschaften umgewandelt werden. Über eine Vielzahl von Aktionären sollten die Vereine nicht nur «demokratisiert» werden, sondern auch wieder zu Geld kommen, begründete Innen- und Justizminister Germán Vargas Lleras die Initiative. In den 1980er und 1990er Jahren sprudelte eine ganz andere Geldquelle für den Profi-Fußball: Die Drogenkartelle investierten kräftig, und der kolumbianische Fußball blühte auf. Aber es war eine Scheinblüte, und seit der Zerschlagung der großen Kartelle ist diese illegale Geldquelle versiegt. Heute sind die Club-Kassen ebenso leer wie die meisten Stadien. Dazu kommen jede Menge Skandale etwa wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung oder Rückständen nicht nur bei den Spielergehältern, sondern auch bei der Abführung ihrer Sozialversicherungsbeiträge. Am härtesten traf es deshalb den früheren Spieler Diego Cortés, der 2006 noch mit Deportivo Pasto Landesmeister geworden war. Seit einem Unfall am Ende jenes Jahres ist er querschnittsgelähmt. Nun musste er erfahren, dass er keinen Anspruch auf Invalidenrente hat, weil seine Arbeitgeber in Pasto und bei Deportes Quindío die Beiträge für ihn nicht gezahlt hatten. «Es ist die Geschichte eines angekündigten Todes. Der kolumbianische Fußball muss unbedingt seine Struktur ändern», klagt der frühere Abwehrspieler und heutige Rechtsanwalt Carlos González Puche, Präsident der Vereinigung der kolumbianischen Profi-Fußballer. Nach seinen Angaben sehen die Statuten des nationalen Verbandes Colfútbol Strafen für Clubs vor, die ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen ihren eigenen Spielern gegenüber nicht nachkommen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. «In 62 Jahren kolumbianischen Profi-Fußballs sind gegen keinen einzigen Club Strafen verhängt worden», betont González Puche. Mitten in diesem Schlamassel listet der Verband gerade die Stadien auf, in denen im kommenden Jahr die U-20-Weltmeisterschaft ausgetragen werden soll. Dies hatte der Weltverband FIFA entschieden, obwohl die Alarmglocken im kolumbianischen Fußball immer lauter läuten.
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