«Seifenoper» um Portugal-Trainer nach 0:1 vor Ende
Lissabon (dpa) - 08.09.2010, 14:57 Uhr
Der Norweger Erik Huseklepp (m) lässt die beiden Portugiesen Miguel Veloso (l) und Ricardo Quaresma alt aussehen.
Portugals Fußballer schlittern von einer Blamage in die nächste, das 0:1 in Norwegen in der EM-Qualifikation könnte dem gesperrten Nationaltrainer Carlos Queiroz nun das Genick brechen. «Diese Seifenoper muss so schnell wie möglich beendet werden», forderte Mittelfeldspieler Tiago von Atlético Madrid nach der Schlappe von Olso energisch. Queiroz war vor wenigen Tagen von der Antidopingbehörde ADoP für sechs Monate gesperrt worden, weil er Dopingkontrolleure vor der WM wüst beschimpft und deren Arbeit behindert haben soll. «Natürlich wirkt sich die Affäre um Queiroz negativ auf uns aus. Auf ganz Portugal übrigens», erklärte Tiago und sprach als erster der betroffenen Nationalspieler Klartext. Vier Tage nach dem peinlich-skurrilen 4:4 zu Hause gegen Fußball- Zwerg Zypern zum Auftakt der EM-Quali war Queiroz nach Oslo geflogen, um sich das Spiel von der Tribüne aus anzuschauen. Laut Medien soll der 57-Jährige auch seine Schützlinge um Unterstützung gebeten haben. Umsonst, behauptete die Zeitung «Correio da Manha». «Die Tage von Queiroz als Nationaltrainer sind gezählt», schrieb das Massenblatt.
Der vorerst zum Chef avancierte Co-Trainer Agostinho Oliveira räumte ein: «Unsere Lage ist besorgniserregend.» Tiago sprach von einer «schwarzen Wolke». Die Konzentration auf die sportlichen Aufgaben sei unmöglich. Das «Problem» könnte jedoch bald beigelegt werden. Fast alle Medien in Portugal glauben zu wissen, dass Queiroz noch vor dem Wochenende vom Fußball-Verband zwei Jahre vor Vertragsende vor die Tür gesetzt wird. Als Favorit auf die Nachfolge gilt der frühere Nationalspieler Paulo Bento, der bisher nur Sporting Lissabon hauptamtlich betreute und im vergangenen Jahr vom Traditionsclub nach einer enttäuschenden Saison entlassen worden war. Ohne den weiterhin verletzten Superstar Cristiano Ronaldo zeigten die Gäste in Oslo eine schwache Vorstellung. Torwart Eduardo ermöglichte mit einem groben Fehler das einzige Tor durch Erik Huseklepp in der 21. Minute, das am Ende Portugals erste Pleite gegen Norwegen bedeutete. Von einer «historischen Niederlage» schrieb daher die Sportzeitung «Record». Tiagos Teamkollegen um die erneut unsicheren Abwehrrecken Bruno Alves und Ricardo Carvalho, Mittelfeldregisseur Raul Meireles und Werder Bremens Stürmer Hugo Almeida hüllten sich danach lieber in Schweigen und verschwanden auf dem Flughafen von Lissabon nach der Ankunft fluchtartig durch die Hintertür.
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