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«Bleus»-Neuanfang misslungen: Alptraum geht weiter

Paris (dpa) - 04.09.2010, 17:48 Uhr

Frankreichs neuer Trainer Laurent Blanc hat gegen Weißrussland ein glückloses Händchen.
Frankreichs neuer Trainer Laurent Blanc hat gegen Weißrussland ein glückloses Händchen.

Abonnements-Verlierer Frankreich gewinnt nach dem WM-Fiasko in Südafrika auch unter dem neuen Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc nicht. Zum Auftakt der EM-Qualifikation verloren die «Bleus» 0:1 in Paris gegen das von Ex-DDR- und Hertha BSC-Trainer Bernd Stange betreute Weißrussland.

«Wir haben unbeholfen und naiv agiert. Ich muss überlegen, was ich da mache», sagte Blanc ernüchtert. Das Blatt «Sud-Ouest» klagte nach dem siebten Länderspiel nacheinander ohne Sieg: «Der Alptraum geht weiter.» Weltuntergangsstimmung vermittelte die Riesen-Schlagzeile der Sportzeitung «L'Équipe»: «Katastrophal!»

Rund 76 000 Zuschauer im fast ausverkauften Stade de France mussten erkennen, dass der Weltmeister von 1998 nicht zu Unrecht auf Platz 21 der FIFA-Weltrangliste abgestürzt ist. Ohne Bayern-Star Franck Ribéry und die ebenfalls als WM-«Sünder» gesperrten Nicolas Anelka, Patrice Evra und Jérémy Toulalan zeigten die Franzosen gegen die eigentlich harmlosen Gäste eine äußerst schwache Vorstellung. Lediglich das 20-jährige Mittelfeld-Talent Yann M'Vila wusste zu gefallen. Erfahrenere Profis wie Florent Malouda, Gael Clichy, Bacary Sagna und Abou Diaby präsentierten sich in blamabler Verfassung.

Die Strafe folgte auf dem Fuße: Der eingewechselte Sergej Kisljak machte in der 86. Minute nach Pass des Ex-Stuttgarters Alexander Hleb die Überraschung perfekt. Bis dahin hatte «Bleus»-Torwart Hugo Lloris nicht einen einzigen Ball halten müssen. «Sensationell! Ich hoffe, dass wir in Zukunft so weitermachen», jubelte der 62-jährige Weltenbummler Stange. Während der Jubel in der Gästekabine nicht aufhören wollte, herrschte bei den Franzosen Tristesse pur. «Wir haben Mist gebaut», sagte Philippe Mexès niedergeschlagen.

«Das Team war unproduktiv, mutlos und kaum gefährlich», lautete das Urteil das Fachmagazin «France Football». Andere Medien sprachen von einer «Demütigung» und einem «harten Schlag». Dabei war die Hoffnung auf den Neuanfang unter «Le Président» Blanc trotz der 1:2- Schlappe im Freundschaftsspiel in Oslo gegen Norwegen doch so groß gewesen. Die Fans im Stadion feuerten die Équipe wider Erwarten pausenlos an, so «als hätte es die WM-Blamage nie gegeben» («France Football»). Immer wieder hallte das «Allez la France» durchs Stadion. Vor den Fernsehern saßen knapp neun Millionen Franzosen, so viele wie selten zuvor bei einem Qualifikationsspiel der «Grande Nation».

Nun steht Blanc schon im zweiten Quali-Spiel unter immensem Erfolgsdruck. Am Dienstag bei Gruppen-Tabellenführer Bosnien (3:0 in Luxemburg) muss er zu allem Übel muss auf die Stürmer Remy und Louis Saha verzichten, die sich beide gegen die Weißrussen Verletzungen zuzogen. Deshalb wurde Jimmy Briand von Olympique Lyon nachnominiert. Ist das Spiel in Bosnien schon vorentscheidend für die EM-Chancen?, wurde Blanc gefragt. «Sicher, sehr wichtig, wir müssen uns in Bosnien wieder fangen», antwortete der 44 Jahre alte Ex-Meistermacher von Girondins Bordeaux (2009). Kollege Stange, der schon in den 1980-er Jahren als DDR-Coach 1:0 in Frankreich gewonnen hatte, sprang Blanc zur Seite: «Man kann doch nicht in ein paar Wochen ein Team aufbauen. Ich arbeite seit drei Jahren (in Weißrussland) und erst jetzt sieht man die Früchte.»


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