Italien feiert mühsames Comeback in Estland
Rom (dpa) - 04.09.2010, 11:18 Uhr
Die Italiener um Kapitän Pirlo feiern ihren knappen Sieg.
Nicht schön, aber wenigstens erfolgreich: Mit einem mühsam erkämpften 2:1-Sieg in Estland hat sich der viermalige Weltmeister Italien nach dem blamablen Vorrunden-K.o. bei der WM in Südafrika zurückgemeldet. Nach einem desaströsen Jahr für den italienische Fußball holten die neu formierten «Azzurri» damit zum Start in die EM-Qualifikation den ersten Sieg im Jahr 2010. «Italien ist auf dem richtigen Weg», titelte «Tuttosport». Die Tifosi atmen auf und feiern ihren neuen Superstar Antonio Cassano. Der von Nationaltrainer Marcello Lippi hartnäckig ignorierte Stürmer von Sampdoria Genua avancierte unter dem neuen Coach Cesare Prandelli zum Matchwinner. Denn als die Italiener am Freitagabend in Tallinn zur Halbzeit nach einem Tor von Sergej Senjow (31. Minute) 0:1 hinten lagen, zeichnete sich bereits das nächste Debakel ab. In der größten Not aber gelang es Prandelli bei seinem Pflichtspiel-Debüt das Team in der Pause wachzurütteln, und Cassano setzte zu seinem großen Coup an: Zuerst verwandelte er einen Eckball von Kapitän Andrea Pirlo selbst zum Ausgleich (60.). Nur drei Minuten später legte er mit der Hacke so genial für Leonardo Bonucci vor, dass der Verteidiger nur noch vollstrecken musste.
«Bravo Cassano», gratulierte Prandelli seinem «Helden». Der 28- Jährige sei ein Vorbild für alle, lobte der neue Nationalcoach. Die Zeitungen in der Heimat überschlugen sich mit Lobeshymnen auf den jahrelang als «Enfant terrible» und nicht teamfähig verschrienen Süditaliener. «SantAntonio rettet Italien», schrieb die «Gazzetta dello Sport». Neben Cassano bekamen in der mit sechs Debütanten angetretenen Mannschaft auch der Stuttgarter Abwehrspieler Cristian Molinaro und der Deutsch-Italiener Riccardo Montolivo gute Kritiken. Der Sohn einer Kielerin habe sich «in den Dienst der Mannschaft gestellt» und Regisseur Pirlo den Rücken freigehalten, lobte die «Gazzetta». Trotz des Sieges konnte Italien in Estland längst noch nicht überzeugen. Daraus machten auch die «Azzurri» keinen Hehl. «Zur Pause waren die Jungs verunsichert», räumte Prandelli ein. «Deshalb sollten wir uns auch nicht fragen, wie viele Tore wir gegen die Färöer-Inseln schießen, sondern erstmal darauf achten, dass wir zu Null spielen», mahnte Giorgio Chiellini, der Verteidiger von Juventus Turin. Den Außenseiter empfangen die Italiener am Dienstag in Florenz.
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