Madrid (dpa) - 11.08.2010, 17:13 Uhr
Der spanische Fußballverband (RFEF) hat im Korruptionsskandal um den Erstliga-Aufstieg von Hércules Alicante nach längerem Abwarten eigene Ermittlungen eingeleitet.
Wie der RFEF mitteilte, will der zuständige Disziplinarausschuss sich auch darum bemühen, Beweismittel von der Justiz zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der Ermittlungsrichter José Luis de la Fuente hatte am Vortag in zweiter Instanz entschieden, dass die Aufnahmen abgehörter Telefongespräche unter Verschluss bleiben. Er ließ aber eine Berufung vor dem Berufungsgericht in Alicante zu.
Aus den Gesprächen soll nach Medienberichten hervorgehen, dass Alicantes Mehrheitsaktionär Enrique Ortiz in der vergangenen Saison versuchte, zur Sicherung des Aufstiegs vier Zweitliga-Rivalen zu bestechen. In einem Fall soll der Unternehmer damit Erfolg gehabt haben. Die Justiz stellte ihre Ermittlungen in dieser Sache ein, da Schiebung im Sport nach spanischem Recht nicht strafbar ist.
Der RFEF, der sich zu dem Skandal bisher nicht geäußert hatte, wurde auf Antrag des Zweitliga-Absteigers FC Cádiz aktiv. Der Club hofft darauf, bei einem Zwangsabstieg eines in den Skandal verwickelten Vereins am grünen Tisch doch noch den Abstieg in die 3. Liga verhindern zu können.
Der Justiz lehnte eine Herausgabe der Tonbänder mit der Begründung ab, dass damit die Privatsphäre des Hércules Bosses verletzt würde. Der Schutz der Privatsphäre sei ein Grundrecht, betonte der Richter. Dies dürfe nicht geopfert werden, nur damit gegen Alicante sportliche Sanktionen verhängt werden könnten.
Ein Zusammenschluss von Anhängern des Zweitligisten Betis Sevilla startete den Versuch, die Welt- und Europa-Verbände FIFA und UEFA einzuschalten. Er begründete seinen Vorstoß mit der bisherigen Passivität des RFEF. Betis Sevilla war in der vorigen Saison im Kampf um den Aufstieg knapp gescheitert. Der Club verlangte einen Platz in der Primera División für den Fall, dass die Vorwürfe gegen Alicante sich bestätigten.