Madrid (dpa) - 11.08.2010, 11:58 Uhr
Im spanischen Fußballskandal um den Erstliga-Aufstieg von Hércules Alicante hält die Justiz ihre Beweismittel weiter unter Verschluss.
Der zuständige Ermittlungsrichter José Luis de la Fuente lehnte in zweiter Instanz den Antrag der Staatsanwaltschaft ab, die Aufnahmen abgehörter Telefongespräche den Sportverbänden zur Verfügung zu stellen.
Aus den Gesprächen soll nach Medienberichten hervorgehen, dass Alicantes Mehrheitsaktionär Enrique Ortiz in der vergangenen Saison versuchte, zur Sicherung des Aufstiegs vier Zweitliga-Rivalen zu bestechen. In einem Fall soll der Unternehmer damit Erfolg gehabt haben. Die Justiz stellte ihre Ermittlungen in dieser Sache ein, da Schiebung im Sport nach spanischem Recht nicht strafbar ist.
Der Richter lehnte eine Herausgabe der Tonbänder nach Presseberichten vom 11. August mit der Begründung ab, dass damit die Privatsphäre des Hércules Bosses verletzt würde. Der Schutz der Privatsphäre sei ein Grundrecht. Dies dürfe nicht geopfert werden, nur damit gegen Alicante sportliche Sanktionen verhängt werden könnten.
Ein Zusammenschluss von Anhängern des Zweitligisten Betis Sevilla startete den Versuch, die Welt- und Europa-Verbände FIFA und UEFA einzuschalten. Er begründete seinen Vorstoß damit, dass der spanische Fußballverband (RFEF) sich bisher völlig passiv verhalten und keine Anstalten unternommen habe, den Skandal aufzuklären. Betis Sevilla war in der vorigen Saison im Kampf um den Aufstieg knapp gescheitert. Der Club verlangte einen Platz in der Primera División für den Fall, dass die Vorwürfe gegen Alicante sich bestätigten.