Die WM vergessen: Saisonstart in Frankreich
Paris (dpa) - 06.08.2010, 14:12 Uhr
Jean Tigana an der Seitenlinie bei seinem vorherigen Club Besiktas Istanbul.
Der spektakulärste Transfer tat sich auf dem Trainermarkt. Wenn am 7. August nach dem WM-Desaster in Südafrika die heimische Liga startet, blickt Frankreich vor allem auf Jean Tigana. Der Fußball-Europameister von 1984 wird bei Girondins Bordeaux Nachfolger von Laurent Blanc. Für geschätzte 1,5 Millionen Euro wurde Blanc aus seinem noch ein Jahr laufenden Vertrag herausgekauft, um als Nationalcoach Raymond Domenech zu beerben und die abgestürzte «Grande Nation» wieder aufzurichten. Obwohl das Gros der Skandalkicker nicht in der Ligue 1 seiner Arbeit nachgeht, sehen sich (fast) alle Franzosen in der Verantwortung, den desaströsen Eindruck von der WM vergessen zu machen. Auch Tigana hat Großes vor mit seinem neuen Club. «Ich will in die Champions League», sagt der 54-Jährige vor dem ersten Saisonspiel bei HSC Montpellier. Angst davor, dass die Fußstapfen zu groß sind? «Ach, man ist immer Nachfolger von irgendeinem. In Monaco war es Arsene Wenger. Und trotzdem habe ich auch als Trainer Titel gewonnen», sagt Tigana.
Sieben in vier Vereinen, wenn man großzügig zählt. Keinen mit Olympique Lyon (1993 - 1995), Meister und Supercup 1997 mit AS Monaco (1995 - 2000), Zweitliga-Meister 2001 und Intertoto-Cup 2002 mit Fulham (2000 - 2003), Pokalsieger 2006 und 2007 sowie Supercup- Gewinner 2006 mit Besiktas Istanbul (2005 - 2007). Und jetzt also wieder Bordeaux, wo er vor 21 Jahren als begnadeter Mittelfeldspieler aufhörte. Auf die Frage, ob die Verpflichtung von Tigana trotz aller Meriten nicht doch ein Risiko sei für einen Verein, der wieder hoch hinaus will, antwortet Präsident Jean-Louis Triaud: «Auf keinen Fall. Er war unser erster Ansprechpartner, und die Verhandlungen haben nur zwei, drei Minuten gedauert.» |