Alicante (dpa) - 04.08.2010, 14:02 Uhr
Der Bestechungsskandal im spanischen Fußball um den Erstliga-Aufsteiger Hércules Alicante droht im Sande zu verlaufen. Ein Gericht entschied, belastendes Beweismaterial unter Verschluss zu halten und nicht den Sportverbänden zur Verfügung zu stellen.
Damit hat der spanische Fußball-Verband (RFEF) praktisch keine Handhabe, Sanktionen wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen zu verhängen. Der Mehrheitsaktionär von Hércules, Enrique Ortiz, soll in der vergangenen Saison versucht haben, zur Sicherung des Aufstiegs vier gegnerische Teams in der 2. Liga zu bestechen. Dies soll aus Telefongesprächen des Unternehmers hervorgehen, die die Justiz bei Ermittlungen zu einem Müllskandal abhören ließ.
In einem abgehörten Gespräch soll Ortiz damit geprahlt haben, in der vorigen Saison den Torwart des Zweitligisten CF Córdoba mit 100 000 Euro bestochen zu haben. Er soll auch den Zweitligisten UD Salamanca, CF Girona und Recreativo de Huelva Schmiergelder geboten haben. Deren Teams sollen die angeblichen Bestechungsversuche jedoch zurückgewiesen haben.
Die Justiz stellte die Ermittlungen in dieser Sache ein, weil die Manipulation von Fußballspielen nach spanischem Recht keinen Straftatbestand darstellt. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft, die Aufnahmen der abgehörten Telefongespräche dem RFEF und der Sportbehörde CSD zur Verfügung zu stellen.
Der zuständige Ermittlungsrichter begründete seine Ablehnung des Gesuchs damit, dass eine Weitergabe die Privatsphäre des Hércules- Bosses verletzen würde. Bereits im großen Dopingskandal im Radsport um die «Operación Puerto» hatten die spanischen Gerichte ähnlich entschieden. Sie lehnten es ab, dass Blutkonserven und anderes Beweismaterial den Sportverbänden zur Verfügung gestellt wurden.