Madrid (dpa) - 03.08.2010, 13:06 Uhr
Neue Enthüllungen im spanischen Bestechungsskandal: Der Besitzer des Erstliga-Aufsteigers Hércules Alicante, Enrique Ortiz, soll nach einem Bericht der «El País» damit geprahlt haben, in der vorigen Saison den Torwart des Zweitligisten CF Córdoba mit 100 000 Euro bestochen zu haben.
«Bei unserem ersten Tor warf der Keeper sich in die falsche Ecke», sagte der Bauunternehmer nach Angaben der Zeitung in einem abgehörten Telefongespräch mit einem Angehörigen. «Mensch, das war einfach super.» Alicante gewann das Punktspiel gegen Córdoba 4:0. Ortiz steht nach Medienberichten im Verdacht, zur Sicherung des Aufstiegs von Hércules versucht zu haben, vier gegnerische Teams in der 2. Liga zu bestechen. Die Teams von UD Salamanca, CF Girona und Recreativo de Huelva sollen die angeblichen Bestechungsversuche des Hércules-Bosses jedoch zurückgewiesen haben.
«Salamanca haben wir 150 000 Euro angeboten», sagte Ortiz nach Angaben der Zeitung in dem abgehörten Gespräch. «Das Team wollte das Geld aber nicht, dennoch haben wir es mit 4:0 abgefertigt.» Hércules war aufgrund seiner hohen Schulden praktisch zum Aufstieg gezwungen gewesen. Der Club machte den Einzug in die Primera División erst am letzten Spieltag perfekt. Das punktgleiche Betis Sevilla mit dem deutschen Ex-Nationalspieler David Odonkor scheiterte, weil es im direkten Vergleich schlechter abschnitt.
Die spanische Justiz hatte Telefongespräche des Hércules- Eigentümers abhören lassen, weil der Unternehmer im Verdacht steht, in einen Korruptionsskandal bei der Müllabfuhr von Alicante verwickelt zu sein. Ortiz soll auch illegale Parteispenden in Höhe von 100 000 Euro an die konservative Volkspartei (PP) geleistet haben.
Ein Gericht muss nun entscheiden, ob die Aufnahmen der abgehörten Gespräche den Sportbehörden als Beweismaterial zur Verfügung gestellt werden dürfen. Betis Sevilla hat für die neue Saison bereits einen Platz in der Primera División gefordert für den Fall, dass der Verdacht gegen Hércules sich bestätigt. Nach dem spanischen Reglement wird allein der Versuch der Manipulation eines Spielausgangs mit dem Abzug von sechs Punkten bestraft.