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Ermittlungen gegen Portugals Nationalcoach Queiroz

Lissabon (dpa) - 30.07.2010, 21:01 Uhr

Portugals Nationaltrainer Carlos Queiroz droht ein Verfahren.
Portugals Nationaltrainer Carlos Queiroz droht ein Verfahren.

Portugals Fußball-Nationaltrainer Carlos Queiroz droht der Rauswurf. Der portugiesische FPF-Verband eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen den 57 Jahre alten Coach.

Queiroz soll im Trainingslager vor der WM Vertreter der portugiesischen Anti-Doping-Agentur beschimpft haben. Man wolle Queiroz dazu befragen und das Verfahren bis Mitte August abschließen, teilte der FPF nach einer vierstündigen Sitzung der leitenden Verbandsfunktionären in Lissabon auf seiner Homepage mit. Medien rechnen unterdessen fest mit einer Kündigung des Trainers.

Die Vorwürfe gegen Queiroz wurden vom Sportministerium in einem Bericht an den FPF erhoben. «Die aufgedeckten Fakten zwingen den Verband, ihnen nachzugehen. Wenn sie nicht schwerwiegend wären, gäbe es keine Untersuchung», hatte Portugals Sportminister Laurentino Dias erklärt. Queiroz hatte entgegnet, die Regierung wolle seine Kündigung erzwingen. Er werde notfalls beim Weltverband FIFA die Einmischung der Politik in Belange des Sports anzeigen.

Der Trainer, der sich bislang im Urlaub in seinem afrikanischen Geburtsland Mozambique aufhielt, will zur Aufklärung der Affäre nach Portugal fliegen. Queiroz war erst vor zwei Wochen ungeachtet aller Kritik vom FFF in seinem Amt bestätigt worden. Man wolle mit Queiroz allerdings «Änderungen in der Trainerstruktur» besprechen, hieß es seinerzeit. Das Abschneiden bei der WM in Südafrika sei «unter den Erwartungen» geblieben.

Medien sind davon überzeugt, der FPF habe zunächst einen Rausschmiss des Trainers nur wegen der finanziellen Konsequenzen ausgeschlossen. Denn eine normale Kündigung des noch bis 2012 laufenden Vertrages hätte den Verband fünf Millionen Euro gekostet. Sollte Queiroz aber wegen schwerwiegendes Fehlverhalten gefeuert werden, würde er kaum Ansprüche geltend machen können.


Portugal war in Südafrika im Achtelfinale immerhin am späteren Weltmeister Spanien (0:1) gescheitert. Dennoch wurde der Coach zu Hause sowohl von Medien als auch von der Fußball-Szene vor allem wegen seiner allzu defensiven Taktik scharf kritisiert. Star-Coach José Mourinho meinte außerdem, sein Landsmann habe zu viel Druck auf Stürmerstar Cristiano Ronaldo ausgeübt.

Auch Ronaldo hatte nach dem WM-K.o. Kritik angedeutet. «Wie ich mir das Aus von Portugal erkläre? Sprechen Sie mit Carlos Queiroz», antwortete er auf Journalisten-Fragen barsch. Medien schreiben, dass die meisten Spieler Queiroz nicht schätzen würden. Der Coach will aber auf jeden Fall weitermachen. «Portugal hat Zukunft», beteuerte er nach der WM.

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