Zwanziger hatte angekündigt, dass die weitere Zusammenarbeit mit Löw Einfluss auf seine Entscheidung haben könne, aber nicht entscheidend sei. Zusammen mit seiner Ehefrau Inge und den Söhnen Frank und Ralf hatte der DFB-Präsident in den vergangenen Tagen beraten: «Was ist für den Verband wichtig und was ist für mich persönlich wichtig?» Zwanzigers Verdienste auf diesen Gebieten sind unstrittig, doch nach der geplatzten Vertragsverlängerung mit Löw im Frühjahr und beim Krisenmanagement in der Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter und Manfred Amerell hatte der DFB-Chef geharnischte Kritik einstecken müssen. Nun ist er erneut gefordert: Die angekündigte Schadensersatzklage von Ex-Schiedsrichter-Sprecher Amerell ist ein Thema der Präsidiumssitzung in der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck- Schneise. Den 19 Präsidiumsmitgliedern ist inzwischen ein 24 Seiten starker Schriftsatz von Amerells Anwalt Jürgen Langer zugegangen. Bis zum 2. August sollen die Funktionäre die Schadensersatzansprüche gegen den Verband «materiell und immateriell» anerkennen. «Wenn in dieser Zeit nichts passiert, werden wir auch die Klage gegen den DFB einreichen», hatte Langer angekündigt und Zwanzigers Rücktritt gefordert: «Ein Präsident, der den Fall so behandelt, ist nicht mehr tragbar.» Amerell sei auch zu einer außergerichtlichen Einigung bereit, doch nach dpa-Informationen ist der DFB dazu nicht bereit. Gegen Referee Michael Kempter hat Amerell vor dem Landgericht Hechingen bereits eine Schadensersatzklage eingereicht, die ihm mindestens 150 000 Euro «Schmerzensgeld» wegen übler Nachrede und Verleumdung bringen soll. Im Dauerzwist mit dem DFB geht es um eine wesentlich höhere Summe. Zwanziger wird angekreidet, sich voreilig auf die Seite des jungen Bundesliga-Referees Kempter geschlagen zu haben. Der 27-Jährige aus Sauldorf hatte Amerell vorgeworfen, ihn sexuell belästigt zu haben. Der frühere Schiedsrichter-Beobachter bestreitet dies und war am 12. Februar von all seinen DFB-Ämtern zurückgetreten.
 |