Maradona, auch von der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner protegiert, tendierte nun doch zu einer Vertragsverlängerung. Die Mannschaft unterstütze ihn, meinte er. Er habe Lust weiterzumachen - wenn aber jemand an seinen Betreuerstab wolle, sei er weg. Das ist er nun. Denn sein Chef nutzte die Gelegenheit. «Wie könnte es für mich nicht schmerzvoll sein, schließlich bin ich mit Maradona seit 1979 verbunden», meinte Grondona zu seinem eigenen Empfinden nach der «Letzten Bekanntgabe» in der Ära Maradona («La Nacion»). Eine Gruppe Demonstranten hatte zuvor vor dem Gebäude der AFA gegen Grondona demonstriert und an die Wand geschrieben: «Grondona, Gegner des Volkes». Einer Internetumfrage zufolge will eine Mehrheit der Argentinier am liebsten den erfolgreichsten argentinischen Trainer der vergangenen Jahre, den Ex-Trainer von Boca Juniors, Carlos Bianchi, als neuen Nationalcoach. Der aber kann Grondona nicht ausstehen und hat schon früher dessen Angebote abgelehnt. Für das anstehende Testspiel am 11. August in Irland, für das Maradona bereits eine Liste mit 18 Akteuren ausgearbeitet hatte, wird nun interimsweise Sergio Batista das Amt übernehmen. Ausgerechnet er. Der Trainer der U 20 ist Maradonas Intimfeind. Ob er am 7. September auch beim Duell mit Weltmeister Spanien in Buenos Aires auf der Bank sitzt, ist offen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Alejandro Sabella, Trainer von Estudiantes de la Plata. Er ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Maradona: besonnen und medienscheu. Grondona mahnte jedoch schon seelenruhig an: «Nachfolger? Damit eilt es nicht.» Denn das große Ziel heißt Brasilien 2014 - im Land des Erzrivalen zum dritten Mal Weltmeister zu werden, wäre die ultimative Krönung für Argentinien. Maradona wird dann höchstens wieder als Maskottchen seine Fußball- Erben anfeuern. So wie 2006 in Deutschland. 2010 in Südafrika wurde er zum zwischenzeitlich gefeierten WM-Star. Als es sportlich lief, wurde er mit Lobeshymnen überschüttet. Mit viel Herzlichkeit samt Knuddelattacken nach Siegen versuchte er sein Team zum Erfolg zu führen. Die Zweifel an seiner taktischen Kompetenz aber blieben - und wurden durch die Lehrstunde beim 0:4 gegen Deutschland mehr oder weniger bestätigt. Schon während der mühsamen Qualifikation hatte Maradona viel Gegenwind gespürt. Sein unsäglicher verbaler Ausbruch gegenüber Journalisten, nachdem das WM-Ticket gelöst war, brachte ihm eine wochenlange Sperre ein. Der Fußball-Weltverband FIFA erklärte ihn zur Unerwünschten Person bei der Endrundenauslosung. Wie es nun mit 49-Jährigen, der in seinem exzessiven Leben zwischen Genialität und Betrug alle Höhen und Tiefen durchmachte, weitergeht, bleibt offen. Der begnadete Ex-Kicker, der in der von Gewalt geprägten Siedlung Via Fiorito mit sieben Geschwistern aufwuchs, machte in Südafrika einen gefestigten Eindruck.
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