Freund Maradonas: Diego geht - Nachfolger gesucht
Buenos Aires (dpa) - 27.07.2010, 20:58 Uhr
Maradona steht bei der WM zwischen seinen Assistenten Enrique (r) und Mancusso (l).
Die Hängepartie um Diego Maradona ist weiterhin nicht beendet, aber über deren Ausgang gibt es kaum noch Zweifel: Die «Hand Gottes» gibt als argentinischer Fußball-Nationalcoach auf. «Niemand kann so naiv sein und glauben, dass Diego unter diesen Bedingungen weitermachen würde», sagte der Freund Maradonas und Mitarbeiter im WM-Team, Fernando Signorini. Zugleich griff er den mächtigen Präsidenten des nationalen Fußballverbandes AFA, Julio Grondona, scharf an. «Grondona hat nicht den Mut gehabt, Diego offen zu sagen, dass er ihn loswerden will. Deshalb hat er ihm eröffnet, dass wenn er (Maradona) weitermachen wolle, er das ohne eine Reihe seiner Mitarbeiter tun muss», sagte Signorini. «Die Situation ist unumkehrbar», fügte der enge Vertraute Maradonas hinzu. Maradona hatte schon vor einem Treffen am 26. Juli mit Grondona vollmundig erklärt, dass sein Mitarbeiterstab unantastbar sei. «Wenn sie an den Zeugwart ran wollen, wenn sie an den Masseur ran wollen, bin ich weg», hatte er in der für ihn typischen Selbstherrlichkeit angekündigt. Die AFA wollte noch am 27. Juli eine Entscheidung verkünden. Allerdings gingen alle argentinischen Medien davon aus, dass Maradonas am 31. Juli endender Vertrag nicht verlängert wird, und diskutierten fast nur noch über mögliche Nachfolger.
Laut der Zeitung «La Nacion» soll mittlerweile auch die Rückendeckung der argentinischen Regierung für Maradona schwächer geworden sein. «Die Regierung nimmt Abstand», titelte das Blatt und zitierte den Stabschef, der vergeblich versucht haben will, Maradona nach der Rückkehr zu erreichen. «Herzlich» soll das Gespräch zwischen dem Weltmeister von 1986, dessen WM-Trainermission in Südafrika im Viertelfinale durch das deprimierende 0:4 gegen Deutschland bitter beendet worden war, und Grondona gewesen sein. Der AFA-Chef, zugleich Vizepräsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, hatte Maradona zu dessen 48. Geburtstag im Oktober 2008 eingestellt. Seitdem testete «El Diez» mehr als 100 Spieler, bei der WM avancierte er erstmals zum erfolgreichen Coach - ehe Joachim Löw und seine Schützlinge den charismatischen Ex-Kicker stoppten und die argentinischen WM-Träume platzen ließen. Verbandssprecher Ernesto Cherquis Bialo betonte, dass Grondonas Bedingungen für eine Verlängerung des Maradona-Engagements detaillierte Vertragsverpflichtungen beinhalten, die Personen und Posten betreffen würden. Präzisieren wollte er die Konditionen aber nicht. Er erklärte, dass es nun von Grondonas Bericht und dem «Spirit» des Exekutivkomitees abhänge, ob Maradona den zweimaligen Weltmeister zur WM 2014 im Land des Erzrivalen Brasilien führen soll.
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