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Blanc geht an Bord - FIFA droht

Johannesburg (dpa) - 27.06.2010, 15:13 Uhr

Laurent Blanc wurde als neuer Trainer der französischen Nationalmannschaft verpflichtet.
Laurent Blanc wurde als neuer Trainer der französischen Nationalmannschaft verpflichtet.

Nach dem WM-Schiffbruch am Kap hat Laurent Blanc als Nationaltrainer das Kommando bei der «Equipe tricolore» übernommen, doch eine weitere Hiobsbotschaft aus Südafrika trübte die Freude der Fans über die Vertragsunterschrift des neuen Hoffnungsträgers.

Mit einer deutlichen Warnung reagierte der Weltverband FIFA auf die Einmischung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Sportministerin Roselyne Bachelot in die Angelegenheiten des Französischen Fußball-Verbandes (FFF), dem nun ernsthafte Konsequenzen drohen.

«Wir werden ganz genau hinschauen, was in Frankreich passiert. Ich habe die Sportministerin informiert, wie die Institutionen des Fußballs arbeiten. Ich habe ihr gesagt, dass sie sehr vorsichtig sein müssen», sagte FIFA-Generalsekretär Jêrome Valcke am Samstag in Johannesburg. Die Zeitung «Le Parisien» fragte besorgt: «Müssen wir nun nach dem sportlichen Fiasko eine zusätzliche Demütigung befürchten?»

Die FIFA verbietet jede staatliche Einflussnahme auf die Politik der nationalen Fußball-Verbände und hat in jüngerer Vergangenheit einige Mitgliedsländer wie Iran oder Irak vorübergehend suspendiert. Die Aufarbeitung des sportlich wie disziplinarisch desaströsen WM- Auftritts der Franzosen hatte in den vergangenen Tagen Züge einer Staatsaffäre angenommen. Sarkozy empfing Starstürmer Thierry Henry zu einem klärenden Gespräch. Roselyne Bachelot forderte FFF-Chef Jean- Pierre Escalettes zum Rücktritt auf.

«Sie dürfen sich treffen, sie können diskutieren, aber es darf keine politische Einflussnahme geben», erklärte der Franzose Valcke seinen Landsleuten die FIFA-Regeln. «Niemand kann jemanden zum Rücktritt auffordern», sagte der Funktionär. Bachelot machte umgehend einen Rückzieher. Sie stehe zwar weiter zu ihren Worten, habe aber niemals implizit den Rücktritt von Verbandsboss gefordert, ließ die Ministerin verlauten.


Blanc, der am Samstag einen Zweijahresvertrag als Nachfolger des gescheiterten Nationaltrainers Raymond Domenech unterschrieb, dürfte dies alles kaltlassen. Er hat ganz andere Probleme, muss er den tief gefallenen Vize-Weltmeister von 2006 doch sportlich schnell wieder flott kriegen. Sollte ihm dies gelingen, wird der Kontrakt um weitere zwei Jahre bis zur WM 2014 verlängert. Der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000, der in Frankreich großes Ansehen genießt, wird von seinem früheren Mitarbeiter Jean-Louis Gasset und dem ehemaligen Direktor von Olympique Lyon, Marino Faccioli, unterstützt.

Nach dem kläglichen Ausscheiden der «Bleus» als Gruppenletzter erhoffen sich die Fans einen Neuanfang unter Blanc. Erste sportliche Herausforderung wird die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012. Am 3. September steht das erste Qualifikationsspiel gegen Weißrussland an. Sein Debüt auf der Bank wird der frühere Erfolgstrainer von Girondins Bordeaux am 11. August im Länderspiel gegen Norwegen geben. Nicht mehr dabei sein wird dann Mittelfeld- Veteran Patrick Vieira. «Ehrlich, ich stehe nicht mehr für die Auswahl zur Verfügung. Es wäre nicht gerecht», sagte der 34-Jährige dem TV-Sender Canal +.

Nach einer Umfrage für den «Parisien» setzen immerhin 94 Prozent der Franzosen Vertrauen in Blanc. Die Mannschaft ist dagegen - mit Ausnahme von Florent Malouda, der 74 Prozent Zustimmung findet, - bei den Fans unten durch. Selbst Bayern-Star Franck Ribéry wollen nur noch 54 Prozent weiter in der Nationalelf sehen. Für Nicolas Anelka, der wegen seiner Trainerbeleidigung vorzeitig die Heimreise antreten musste, votierten nur noch 26 Prozent.

Die Vorfälle im WM-Camp in Knysna sollen in den kommenden Wochen aufgearbeitet werden. «Das (Sport-) Ministerium wird eine Untersuchung einleiten und alle Spieler anhören«, erklärte Mannschaftskapitän Patrice Evra, «jeder wird erzählen, was er erlebt hat, und die Wahrheit sagen.»

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