Eine Delegation der Europäischen Fußball-Union UEFA kontrolliert vom 25. Mai an erneut den oft kritisierten Stadionbau für die EM 2012 in der Ukraine. Die Ergebnisse des zweitägigen Besuchs sollen am 2. Juni auf einer UEFA-Tagung in Nyon (Schweiz) besprochen werden.
Wegen der schleppenden Vorbereitungen in der früheren Sowjetrepublik waren wiederholt Überlegungen laut geworden, Stadien in Deutschland für das Turnier zu nutzen oder mehr EM-Spiele an Co-Gastgeber Polen zu vergeben. Der ukrainische EM-Beauftragte und Vize-Regierungschef Boris Kolesnikow sagte vor der UEFA-Visite, die Stadien in den vorgesehenen Spielorten Kiew, Donezk, Charkow und Lwow (Lemberg) würden «rechtzeitig fertig».
Im laufenden Staatshaushalt werde der Posten für die Bauarbeiten auf umgerechnet 2,7 Milliarden Euro aufgestockt, sagte Kolesnikow. Nach Angaben ukrainischer Medien sorgen die geplanten Mehrausgaben allerdings für Ärger innerhalb der regierenden Partei der Regionen, da die Ukraine vor dem Staatsbankrott steht. Kolesnikow sagte, die Arbeiten an den Stadien würden «praktisch an sieben Tagen die Woche rund um Uhr» laufen. UEFA-Präsident Michel Platini hatte unlängst der Ukraine bei einem Besuch ein Ultimatum gestellt. Der Co-Organisator der EM habe «noch bis Mitte Juni» Zeit, den Rückstand aufzuholen. Indirekt drohte Platini den Osteuropäern mit dem EM-Entzug.
Unterdessen plant der ukrainische Fußballverband die Gründung eines Fonds, um bei der Finanzierung der EM nicht allein vom Staat abhängig zu sein. Mit dem Geld soll die Nationalelf, die sich nicht für die WM in Südafrika qualifizierte, unter anderem eine Südamerika- Tournee absolvieren. Als Co-Gastgeber der EM 2012 muss die Ukraine keine Qualifikationsspiele für das Turnier bestreiten. Medienangaben zufolge sollen auch die finanzkräftigen Besitzer der Fußballclubs Schachtjor Donezk (Rinat Achmetow) und Metallist Charkow (Alexander Jaroslawski) in den Fonds einzahlen.