Jubel, Vorfreude und Sorgen bei Inter
Mailand (dpa) - 17.05.2010, 13:47 Uhr
Jose Mourinho küsst bei der Siegerehrung in Siena seine Medaille.
Inter Mailand erlebt vor dem Fußball Champions League-Finale gegen den FC Bayern München eine Achterbahnfahrt der Gefühle. In den Jubel über das gewonnene Double und die Vorfreude auf das Finale in Madrid mischt sich die Sorge um die Zukunft von Trainer José Mourinho. Die Anzeichen verdichten sich immer mehr: Der Portugiese will Mailand vorzeitig verlassen und zu Real Madrid wechseln, fürchten die Tifosi. Die «Gazzetta dello Sport» schrieb: «Die Inter-Bosse wittern den Abschied.» «Ich wünschte mir, er bliebe noch lange hier. Aber ich weiß nicht, ob er dieselben Pläne hat», sagte Inter-Präsident Massimo Moratti am Rande der Meisterfeiern. Mourinhos Vertrag mit Inter läuft noch bis 2012. Den ersehnten Treueschwur blieb der 47-Jährige aber schuldig. «Ich werde nach dem Finale über meine Zukunft entscheiden», sagte «Mou». Vom Ausgang des Finals werde er seine Entscheidung aber nicht abhängig machten, betonte der Coach. Dass er erneut versicherte, «nicht schon mit mehr als einem Fuß in Madrid» zu stehen, beruhigte in Mailand niemanden. Schließlich fühlt sich Mourinho nach eigener Aussage in Italien nicht wohl: «Der italienische Fußball ist anders und manchmal habe ich ihn nicht als meine Heimat empfunden, nicht als ein Umfeld, in dem ich glücklich sein und unbeschwert arbeiten kann», sagte Mourinho nochmals.
Damit dämpfte der Erfolgstrainer Inters Jubel über den Pokalsieg gegen den AS Rom und den 18. Meistertitel. Mit einem 1:0-Sieg in Siena hatte der Titelverteidiger seinen Zwei-Punkte-Vorsprung vor dem AS Rom ins Ziel gerettet und sich den fünften «Scudetto» in Folge gesichert. «Ein Traum-Inter!», titelte der Corriere dello Sport. 50 000 Inter-Fans bejubelten ihre Helden auf dem Mailänder Domplatz für das Double und gaben ihrem Team bereits Rückendeckung für das Duell mit den Bayern. In Madrid kann Inter Geschichte schreiben, weiß Esteban Cambiasso: «Das Champions League- Finale wird den Unterschied zwischen einem außerordentlichen und einem historischen Jahr machen», sagte Inters Mittelfeldspieler. Obwohl die Bayern durch die Sperre für Franck Ribery geschwächt sind, haben die Italiener großen Respekt vor den Münchnern. «Die Bayern sind eine große Mannschaft», sagte Inters Top-Stürmer Diego Milito, der Inter mit seinem goldenen Tor in Siena zum Meistertitel schoss. Dessen Sturmkollege Samuel Eto'o stimmte seine Teamkollegen mitten im Meisterjubel auf das Finale ein: «Wir müssen es als das wichtigste Spiel unseres Lebens ansehen», mahnte der Kameruner. Dass es für Erfolgstrainer Mourinho das letzte mit Inter Mailand sein könnte, verdrängen die Spieler.
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