Polizeischutz für Daum - Fener-Coach vor dem Aus
Istanbul (dpa) - 17.05.2010, 13:05 Uhr
Christoph Daum hat bei Fenerbahce kein Glück beim Comeback.
Szenen der Verzweiflung, Randale im Stadion, und Polizeischutz für Christoph Daum: Das Comeback des deutschen Fußball- Lehrers bei Fenerbahce Istanbul mündete in ein Fiasko. Wie schon 2006 verspielte der Favorit den sicher geglaubten Meistertitel im letzten Spiel, diesmal verlor er ihn an den krassen Außenseiter Bursaspor. «Wieder Daum, wieder eine Krise im letzten Moment. Wir haben einen Fehler gemacht», wurde Clubchef Aziz Yildirim am Montag zitiert. Daum ist schwer angezählt. Türkische Fußball-Kommentatoren schreiben, der Abschied des Deutschen, der Fenerbahce bei seinem ersten Engagement 2004 und 2005 zum Titel geführt hatte, sei bereits ausgemachte Sache. «Wer die Mannschaft nicht zum Meister macht, muss gehen», zitiert die auflagenstärkste Zeitung «Hürriyet» am Montag Clubchef Yildrim mit einem Satz, der zum ungeschriebenen Gesetz geworden sei. Yildrim selbst hat nach dem Verlust des angepeilten Championats demonstrativ seinen Rücktritt erklärt. Vereinsmanager werben nun allerdings darum, dass er doch weitermacht. In der türkischen Fußball-Welt dreht sich hingegen alles um die Frage, ob und wann Daum abtritt.
Traditionell gewinnen in der Türkei die Spieler, es verlieren aber immer die Trainer - vor allem wenn sie aus dem Ausland kommen. Die Club-Anhänger reagierten auf die sportliche Katastrophe mit Wut und Gewalt, nachdem Verfolger Bursaspor am Sonntag durch ein 2:1 über Feners Stadtrivalen Besiktas vorbeigezogen war, da der Daum-Club nur ein 1:1 gegen Trabzonspor erzielte. Ein aufgebrachter Fener-Anhänger verschaffte sich mit einem Fußtritt sogar Zugang zum Presseraum. «Gebt uns Daum!», schrie der Fan, ehe die Polizei ihn abführte. Der Coach blieb zweieinhalb Stunden in sicherer Deckung, ehe er mit Frau, Sohn und einem Club-Manager in einem Wagen der Zivilpolizei aus dem Stadion in Sicherheit gebracht wurde. Für die kommenden Tage ist auch vor den Wohnhäusern der einzelnen Fener-Profis Polizei in Position gegangen. Die Spieler sollen vor ihren enttäuschten Fans geschützt werden, bis sich die Gemüter etwas beruhigt haben. |