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Sebastian Coe soll Englands WM-Bewerbung retten

London (dpa) - 17.05.2010, 11:52 Uhr

Sebastian Coe auf einem Kongress 2009.
Sebastian Coe auf einem Kongress 2009.

Sebastian Coe soll Englands Bewerbung um die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 retten.

Der ehemalige Weltklasse-Mittelstreckenläufer und Chef des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele in London 2012 ist auf der Insel für die Nachfolge von David Triesman vorgesehen, der erst als Bewerbungschef und dann auch als Vorsitzender des englischen Fußballverbandes FA zurückgetreten war.

Hintergrund: Triesman hatte in privaten und insgeheim aufgezeichneten Äußerungen über angebliche Schiedsrichterbestechung durch Spanien und Russland bei der im Juni anstehenden Weltmeisterschaft in Südafrika spekuliert. Nach entsprechenden Enthüllungen einer Boulevardzeitung sah er sich zur Demission gezwungen.

«(Die Enthüllungen) waren traumatisch, aber Englands WM-Bewerbung wird deshalb nicht über Nacht schlecht», sagte der mittlerweile zum Lord geadelte Coe. Er bestätigte, mit dem Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes FIFA, Jerome Valcke, schon ein Gespräch geführt zu haben. Am 17. Mai will er auch mit FIFA-Präsident Joseph Blatter telefonieren.

Zudem soll angesichts der jüngsten Entwicklung eine Delegation unter der Leitung von «England2018»-Geschäftsführer Andy Anson umgehend zur Schadensbegrenzung in die FIFA-Zentrale nach Zürich reisen. In Begleitung von Fußball-Ikone David Beckham hatte Triesman dort erst am Freitag Englands 1 752 Seiten dicken Bewerbungskatalog an den Weltverband überreicht. Die FIFA vergibt die WM 2018 und 2022 am 2./3. Dezember in Zürich.


Der frühere FA-Chef Geoff Thompson übernahm den Vorsitz der «England2018»-Kampagne, während Coe die Stärken der Bewerbung des «Fußball-Mutterlandes» hervorhob, das bisher nur 1966 Gastgeber einer WM war. «Wir haben die besten Stadion, die leidenschaftlichsten Fans, die besten Märkte für Sponsoren und die Fähigkeit, das Turnier unter sicheren Bedingungen durchzuführen», betonte Coe, der 2005 die Olympischen Spiele nach London geholt hatte. «Das einzige, was wir nicht (mehr) haben, sind die privaten Ansichten des Ex-Vorsitzenden.»

Laut einem Bericht der «Mail on Sunday» hatte Triesman im Beisein einer früheren Mitarbeiterin (und angeblichen Geliebten) geäußert, Spanien suche russische Hilfe, um Unparteiische bei der WM in Südafrika zu bestechen. Beide Länder sind Englands Konkurrenten bei der Bewerbung um die WM-Ausrichtung. Triesman bezeichnete den Bericht als «Falle» einer Boulevardzeitung.

Der frühere Funktionär der Labour-Partei hatte seine Ämter seit 2008 inne. Die England-Bewerbung hatte schon zuvor für Negativ- Schlagzeilen gesorgt, etwa durch das Versenden von Luxus-Handtaschen an die weiblichen Begleitungen der FIFA-Exekutivmitglieder anlässlich einer London-Visite.

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