Didier Drogba (r) und Michael Ballack wollen das Double.
Ein Sieg im Wembley-Stadion fehlt Michael Ballack und dem FC Chelsea noch, dann ist der Eintrag in die Vereinsannalen mit dem ersten Double aus Meisterschaft und Pokalsieg perfekt.
«Wir können Geschichte schreiben, deshalb sind alle so aufgeregt», sagte der DFB-Kapitän auf der Webseite des englischen Fußball-Verbandes FA vor dem Pokalfinale gegen Premier-League-Absteiger FC Portsmouth. Der Pokalsieger von 2008 muss im Endspiel wahrscheinlich auf den früheren Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng verzichten, der an einer Knöchelverletzung laboriert.
«Man spürt bereits die Atmosphäre», berichtete Mittelfeldstar Ballack, der den FA-Cup bereits zum dritten Mal in vier Jahren holen kann. 2007 im Finale gegen Manchester United (1:0 n.V.), am Ende seiner ersten Saison auf der Insel unter Trainer Jose Mourinho war der Deutsche allerdings wegen einer Fußverletzung zum Zusehen verdammt. Vor einem Jahr gegen den FC Everton (2:1) wechselte ihn Interimscoach Guus Hiddink erst nach einer Stunde ein. Dieses Mal sollte Chelsea-Trainer Carlo Ancelotti Ballack in Wembley von Beginn an einsetzen - allein schon deshalb, weil defensiv starke Mittelfeld- Alternativen wie der Ghanaer Michael Essien oder der Nigerianer John Obi Mikel verletzt sind.
Die Aufregung um Chelsea-Kapitän John Terry, der in dieser Woche im Training mit dem Fuß umgeknickt war und kurzzeitig um Final- und WM-Teilnahme gefürchtet hatte, ist wieder abgehakt. «Mir geht's gut», gab der Abwehrchef der «Blues» Entwarnung, Terry bestritt, dass Chelsea nach der mit dem 8:0 über Wigan Athletic perfekt gemachten vierten Meisterschaft die Partie gegen den insolventen und hoch verschuldeten Außenseiter «Pompey» als reine Formsache ansehen könnte.
«Niemand nimmt das Spiel auf die leichte Schulter», versicherte Terry. Auch Ballack warnte: «Wir sind Favorit, aber das bedeutet gar nichts. Portsmouth hat große Teams geschlagen, um ins Finale zu kommen, und wir respektieren sie.» Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft beschwor noch einmal den Zauber des englischen Pokals. «Der FA-Cup ist etwas Besonderes. Die englischen Spieler freuen sich besonders, aber ich würde sagen: Wir kaum weniger», sagte Ballack im Namen von Chelseas internationalen Stars.
Auf eine Sensation hofft derweil Portsmouth-Trainer Avram Grant, dessen Elf in der Liga zweimal (1:2, 0:5) gegen Chelsea verloren hatte: «Nur im FA-Cup ist so etwas möglich.»
Den seit 1871 ausgetragenen Pokal und gleichzeitig die Meisterschaft zu gewinnen, schafften bislang nur sechs Clubs in England: Preston North End (1889), Aston Villa (1897), Tottenham Hotspur (1961), der FC Arsenal (1971, 1998, 2002), der FC Liverpool (1986) und Manchester United (1994, 1996, 1999). Chelsea- und England-Linksaußen Ashley Cole, der früher für Arsenal spielte, könnte der erste Spieler der Geschichte werden, der den FA-Cup zum sechsten Mal in die Höhe stemmt.