Benfica Lissabon portugiesischer Meister
Lissabon (dpa) - 10.05.2010, 14:33 Uhr
Die Spieler von Benfica Lissabon feiern die Meisterschaft.
Ein Land sieht rot. Der 32. Titelgewinn von Rekordchampion Benfica Lissabon hat Portugal in ein Meer roter Fahnen, Trikots und Schals verwandelt. Zigtausende der am Tejo-Fluss sonst eher zurückhaltenden Fußballfans stürmten auf die Straßen, um den Stars im offenen Bus zuzujubeln und den ersten Titel der «Adler» seit 2005 bis zum frühen Morgen zu feiern. «Benfica ist Religion», schrie sogar eine ältere Dame. Der Volksclub wurde im ganzen Land bejubelt. Diejenigen aber, die sich frischen Wind für die wohl langweiligste Meisterschaft der Welt erhofft und Benfica-Rivale Sporting Braga bis zuletzt die Daumen gedrückt hatten, wurden bitter enttäuscht. «Ich war für Braga, mehr Titelgewinner wären für den Fußball positiv», meint etwa der zur Zeit in Dubai kickende Stürmer Joao Thomas. Dabei hat der 34-Jährige selbst mal das Benfica-Trikot getragen. Das Spitzentrio Benfica (32), FC Porto (24) und Sporting Lissabon (18) machte seit 1934 nicht weniger als 74 von insgesamt 76 Titeln unter sich aus. In die Phalanx der «Granden» konnte seit 1934 nur zweimal ein Außenseiter eindringen: Der Coup gelang 1946 Belenenses Lissabon und 2001 Boavista Porto. Sogar Schottlands einseitige Premier League hatte mehr Meister als Portugal.
«Die Ungleichheiten sind riesig. Mit den Gehältern der Benfica-Argentinier Javier Saviola, Angel Di Maria und Pablo Aimar kann man alle Braga-Profis bezahlen», analysiert Paulo Sergio, Sportchef beim Radiosender «Antena 1». Die Budgets spiegeln die Zweiklassen-Gesellschaft wider. Die drei Großen gaben diese Saison zwei Drittel des Gesamthaushalts aller 16 Clubs aus. Mit 40 Millionen Euro hatte Porto den größten Etat vor Benfica (30) und Sporting (22,5). Die restlichen 13 Vereine kamen zusammen auf nur 53,8 Millionen. Viele klagen aber, dass Benfica nicht nur dank des Geldes Meister geworden ist. Die Konkurrenz behauptet, dass der Verein mit den meisten Mitgliedern weltweit (171 000) auch von Verband und Schiris begünstigt worden sei. «Es ist sehr schwer, da mitzuhalten. Benfica hat viele Spiele (wegen Platzverweisen) gegen Mannschaften mit nur zehn Spielern gespielt», meckerte Braga-Trainer Domingos Paciencia nach dem 1:1 bei Nacional Madeira und der entgangenen Meisterschaft. Der 41 Jahre alte Coach schaffte mit einem Provinzclub voller «Nobodys» um Nationaltorwart Eduardo aber immerhin Platz zwei und damit das zweite portugiesische Ticket für die Champions League. Mit 76 Punkten aus 30 Spielen und einem Torverhältnis von 78:20 war Benfica das beherrschende Team. Am letzten Spieltag bezwang man Rio Ave zu Hause mit 2:1. Vor 65 000 Zuschauern im ausverkauften Estadio da Luz schoss Oscar Cardozo beide Tore der Hausherren. Mit 26 Treffern wurde der Paraguayer Torschützenkönig. Neben ihm, Saviola, Aimar und Di Maria waren die Brasilianer Luisao und Ramires die wichtigsten Spieler des Meisters. Hinter Braga (71) muss sich der Tabellendritte Porto mit 68 Punkten mit der Europa League begnügen. Benfica-Boss Luis Filipe Vieira warnt unterdessen die Konkurrenz daheim und in Europa: «Wir werden uns verstärken, jetzt ist die Champions League dran».
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