Nach Pokal-Pleite will Daum den Meistertitel
Istanbul (dpa) - 06.05.2010, 11:51 Uhr
Christoph Daum verlor mit Fenerbahce Istanbul das Pokalfinale in der Türkei.
Jetzt erst recht! Nach dem geplatzten Traum vom Double will Christoph Daum Fußball-Rekordchampion Fenerbahce Istanbul um jeden Preis zur türkischen Meisterschaft führen. Der Erfolg in der türkischen Süperlig sei sowieso viel wichtiger, «aber ich frage mich, ob wirklich alle Spieler 100 Prozent auf den Cup konzentriert waren», stellte Daum am Tag nach der 1:3-Schlappe im Pokal-Endspiel gegen die Schwarzmeer-Kicker von Trabzonspor kritisch fest. Auch Aziz Yildirim gab sich nach dem Rückschlag erstaunlich gelassen. «Jungs, seid nicht traurig. Die Meisterschaft ist für uns wichtiger. Vergesst das Spiel und konzentriert euch auf das nächste», meinte der mächtige Clubchef. Nachdem der viermalige Pokalsieger seit 27 Jahren auf den nächsten Coup wartet, muss es für «Fener» mit der Meisterschaft klappen. Die Spieler um Kapitän Alex versprachen nach der Enttäuschung prompt, die nächsten beiden Spiele zu gewinnen und Champion zu werden: «Wir haben nur noch das.» In den Medien des Landes gilt der Meistertitel als Pflicht. «Feners Sehnsucht wird immer schlimmer», schrieb «Fanatik» am Donnerstag. Und «Fotogol» befand: «Die Meisterschaft ist nun ein Muss.»
Der in der Türkei bekannte Ex-Profi und Kommentator Ridvan Dilmen, der unter dem Spitznamen «Seytan» (der Teufel) seine beste Zeit bei Fenerbahce hatte, machte Daum für die Niederlage gegen Trabzonspor verantwortlich. Er habe die falschen Kicker auf das Feld geschickt, einige seien noch müde gewesen vom letzten Spiel. Insgesamt hielt sich die Kritik aber in Grenzen. Daum habe mit der Niederlage 250 000 Euro Prämie verloren, rechneten Journalisten vor. Wenn Fenerbahce, mit über 162 000 Mitgliedern einer der größten Clubs der Welt und der reichste in der Türkei, aber die Meisterschaft hole, erhalte er eine Million Euro extra. Dann wird der «halbe Türke» Daum, der von 2003 bis 2006 schon mal Fenerbahce-Coach war und die «Kanarienvögel» zweimal zum türkischer Meistertitel führte, am fußballverrückten Bosporus ohne Ende gefeiert werden.
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