Deutsche Olympia-Hilfe für Chinas Fußballer
Bad Kissingen (dpa) - 15.12.2004, 11:43 Uhr
Trainer Eckhard Krautzun (m) spricht in Bad Kissingen mit den Spielern.
Die Deutsch-Chinesische Fußballakademie (DCFA) in Bad Kissingen hat mit viel Schwung ihre Arbeit aufgenommen - womit das beschauliche Kurbad an der Saale in den ungewohnten Fokus der Fußball-Öffentlichkeit geraten ist. Sehr zur Freude von DCFA- Präsident Karl Heinz Laudenbach, der in seiner eigentlichen Funktion als Oberbürgermeister der Stadt Bad Kissingen nimmermüde die Vorzüge der unterfränkischen Kreisstadt preist. Nun sieht er sich in seiner offensiven Werbung bestätigt, seitdem über 20 Talente im Alter zwischen 15 und 19 Jahren aus dem Reich der Mitte die Attraktion schlechthin sind. Journalisten der größten chinesischen Fachzeitschriften (Soccer-News und Titan-Sport) haben sich ebenfalls in dem 20 000 Einwohner zählenden Städtchen in Unterfranken einquartiert; Laudenbach hofft mittelfristig auf einen wahren Tourismus-Boom aus dem riesigen Wirtschaftswunderland. «Wir kennen die Erwartungshaltung und haben diese Herausforderung angenommen», sagt der OB. Die Akademie hätten auch andere Städte gerne gehabt, doch das Kissinger Konzept fand beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und in China den größten Anklang.
Das Ziel der Fußballer ist klar definiert: Für die Olympischen Spielen 2008 in Peking soll das «08-Star-Team» in Bad Kissingen insbesondere den taktischen Feinschliff erhalten, um eine Medaille zu holen. Erst recht, nachdem Chinas Nationalmannschaft unlängst die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verpasst hat. Ein Teil der Kicker wird auch das Gerüst für die U-20-WM 2005 in den Niederlanden bilden. Unterstützt wird das zunächst auf zwei Jahre angelegte und jährlich zwei bis drei Millionen Euro teure Projekt vom DFB, der bayerischen Landesregierung und diversen Sponsoren. Auch wenn die Jung-Profis, die von ihren Clubs erst nach Saisonende ihre Freigabe erhalten, noch nicht den weiten Flug zu den fränkischen «Langnasen» (chinesisch: da bi zi) auf sich nehmen mussten, ist es beileibe keine Spaßtruppe, die Chef-Trainer Eckhard Krautzun um sich geschart hat. Ein Teil wurde beispielsweise rekrutiert aus der U-17-Nationalmannschaft, die vor einigen Monaten die Asienmeisterschaft gewann. «Die sind technisch alle gut ausgebildet und spielen mit Hingabe. Doch im Torabschluss haben viele Defizite», sagte der frühere Bundesliga-Trainer. |