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Störfeuer bei Inter - in der Liga weiter Spitze

Mailand (dpa) - 04.04.2010, 09:14 Uhr

Roms Kapitän Francesco Totti (l) setzt sich gegen Alessandro Gazzi aus Bari durch.
Roms Kapitän Francesco Totti (l) setzt sich gegen Alessandro Gazzi aus Bari durch.

Ausgerechnet vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League bei ZSKA Moskau wird Inter Mailand in den italienischen Fußball-Manipulationsskandal um Luciano Moggi hineingezogen.

Nach den Angriffen auf seinen Präsidenten Massimo Moratti ist Inter in Aufruhr, auch wenn Thiago Motta versicherte: «Inter bleibt konzentriert!» Die Freude über die gelungene Liga- Generalprobe für Moskau wurde dennoch getrübt. Am 32. Spieltag hatte Inter (66 Punkte) den FC Bologna 3:0 geschlagen und damit seine Tabellenführung vor dem AS Rom (65) verteidigt. Das Team von Luca Toni siegte 1:0 in Bari und strotzt weiter vor Selbstvertrauen. «Jetzt sind wir nicht mehr aufzuhalten», sagte Roma-Coach Claudio Ranieri. Inters Lokalrivale AC Mailand (63) gewann 3:2 in Cagliari und bleibt damit Tabellendritter.

Rekordmeister Juve blamierte sich dagegen mit dem 0:3 gegen Udinese Calcio. «Der Club entschuldigt sich bei den Fans», ließ Juve am Ostersonntag verlauten. Ansonsten schwieg die gesamte Mannschaft. «Ein Alptraum ohne Ende. Was für ein Desaster», titelte die Gazzetta dello Sport nach Juves (48) Absturz auf Rang sieben. Der Club muss um den Einzug in den Europacup kämpfen und sorgt dann auch noch durch seinen Ex-Manager Moggi wieder einmal für Wirbel.

Dessen Verteidiger unterstellten Inter-Boss Moratti ebenfalls Einflussnahme auf Schiedsrichter, für die Moggi 2006 vom Fußballverband (FIGC) zu einem Berufsverbot und Juve zum Zwangsabstieg in die Serie B verurteilt worden war. Moggi und mehr als 30 mutmaßliche Komplizen stehen derzeit in Neapel wegen Sportbetrugs und teilweise sogar wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor einem Zivilgericht.

Dort versuchen Moggis Verteidiger nun zu zeigen, dass Telefonate zwischen Club-Funktionären und den Schiedsrichter-Chefs üblich waren. Dafür brachten sie abgehörte Telefongespräche von Moratti mit dem damaligen Schiedsrichter-Koordinator Paolo Bergamo an die Öffentlichkeit. In den Medien tauchten auch abgehörte Gespräche zwischen Bergamo und Milan-Vize-Präsident Adriano Galliani auf.


«Entweder alle sind schuldig, oder niemand. Meiner Meinung nach ist niemand schuldig», zitierte die «Gazzetta dello Sport» Moggi. Galliani schwieg dazu, Moratti reagierte wütend: «Das ist eine Schande und eine hässliche Sache», sagte der Inter-Boss. Um sich zu verteidigen, verdrehe Moggi die Tatsachen. Er könne die mitgeschnittenen Gespräche ruhig zum Prozessgegenstand machen, gab sich Moratti gelassen. Inter habe nichts zu befürchten.

Auch die Anklage wertete den Vorstoß der Moggi-Verteidiger als sinnloses Ablenkungsmanöver. Die in den Medien veröffentlichten Gesprächsfetzen aus dem Jahr 2005 klingen ohnehin recht harmlos. Außerdem wurden die Gespräche über normale Telefonnummern geführt, während Bergamo mit Moggi über eigens dafür in der Schweiz abgeschlossene Handyanschlüsse telefonierte, die vermeintlich abhörsicher waren.

Ob die abgehörten Gespräche von Moratti und Galliani mit Bergamo Gegenstand des Verfahrens in Neapel werden, soll das Gericht am 13. April entscheiden. Die Juve-Fans forderten unterdessen bereits die Rückgabe des Meistertitels 2006. Der war dem damals zum Zwangsabstieg in die Serie A verurteilten Rekordmeister aberkannt und Inter zuerkannt worden.

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