David Beckham betritt mit Krücken das Krankenhaus in Turku.
Als David Beckham nach seiner Achillessehnen-OP auf Krücken humpelnd erste Gehversuche machte, schien seine fußballerische Zukunft bereits geklärt: Zuerst wird er als Maskottchen Englands Nationalmannschaft zur Fußball-WM begleiten und dann wohl nochmal ein Comeback wagen.
«Ich denke positiv und konzentriere mich jetzt darauf, ganz gesund und fit zu werden in den nächsten Monaten», sagte Beckham, dessen Ehefrau Victoria mittlerweile in Finnland eingetroffen ist, voller Hoffnung, seine Karriere fortsetzen zu können.
Allerdings benötigt «Becks» vorerst vor allem Geduld. «Einen Monat muss er sehr vorsichtig sein, dann vier Monate Lauftraining und dann zwei Monate Balltraining», meinte der finnische Chirurg Sakari Orava. Der Sportmediziner hatte den 34-Jährigen vom AC Mailand knapp 24 Stunden nach der schweren Verletzung beim Sieg bei Chievo Verona (1:0) in Turku die komplett durchgerissene linke Achillessehne wieder zusammengeflickt. Oravas Zeitrechnung bedeutet für Beckham: Nicht die geringste Aussicht auf die vierte WM-Teilnahme.
Englands italienischer Nationaltrainer Fabio Capello schickte dem 115-fachen Nationalspieler aus London wärmste Genesungswünsche ins kalte Turku im Südwesten Finnlands. Mitsamt einer Einladung, doch als «nicht spielendes Team-Mitglied» in Südafrika dabei zu sein. Und danach könne Beckham ab Herbst hoffentlich noch mal auflaufen: «Ich hoffe, er wird rechtzeitig fit für die EM-Qualifikation, denn er ist immer einer der besten Spieler für England.»
Genau das aber stufte die englische Sportpresse fast einhellig als Höflichkeitsfloskel ein, die mit der fußballerischen Realität nichts mehr zu tun hat. Der «Guardian» meinte: «Beckhams Expertise mag fehlen, aber so grausam das klingt, es könnte für England fast besser sein, dessen Ära hinter sich zu lassen.» Auch Alt-Nationalspieler Gary Lineker sieht eher eine persönliche Tragödie als einen Verlust für England: «Ich glaube nicht, dass er in der Startelf gestanden hätte. Es war noch nicht mal sicher, dass er in den Kader kommt, dafür hätte er regelmäßig für den AC Mailand spielen müssen.»
Aber auch in Italien, wo Beckham für seinen WM-Platz kämpfen wollte, war er nach seinen Glanzzeiten bei Manchester United und Real Madrid fast nur noch zu Kurzeinsätzen gekommen. Von ganzem Herzen traurig zeigten sich Südafrikas WM-Macher trotzdem über das Fehlen des erfolgreichsten «Popstars» unter allen Spitzenfußballern. «Natürlich hätte er das Zuschauerinteresse angehoben», seufzte Rich Mkhondo vom Organisationskomitee und mochte angesichts des schleppenden Kartenverkaufs noch nicht alle Hoffnung aufgeben: «Es wäre schon toll, wenn er sich doch noch rechtzeitig erholt.»
In ähnlich geschäftlichen Bahnen, aber mit umgekehrten Vorzeichen dachten auch die Verantwortlichen von Englands Fußballverband. Der nicht spielfähige Beckham könne nun in Südafrika mit seiner «einzigartigen Ausstrahlung» für Englands Bewerbung um das Welt- Turnier 2018 werben, dachte Verbandspräsident Lord Triesman schon mal laut über alternative Verwendungsmöglichkeiten nach.
«Es ist sehr tragisch für David. Wir freuen uns auf seien Rückkehr und werden ihm bei der Reha so gut es geht unterstützen», erklärte Vereinscoach Bruce Arena. Beckham hat einen noch zwei Jahre laufenden Vertrag bei Los Angeles Galaxy, den er nach Aussage seines Sprechers Simon Oliveira «auf jeden Fall» erfüllen will». Eine echtes Comeback auf Top-Niveau nach der WM trauen die meisten Experten dem Engländer zu. In Deutschland erinnern sich ältere Fußballfreunde, dass auch Spieler wie Uwe Seeler und Lothar Matthäus dies im fortgeschrittenen Alter nach Achillessehnenrissen geschafft haben. Englands geadelter Altinternationaler Sir Bobby Charlton sieht Hoffnung für Beckham vor allem auf dem Platz: «Vergiss den ganzen Kram mit Geld und Glamour. Er liebt es einfach, Fußball zu spielen.»