Titelverteidiger Rubin agierte hingegen zurückhaltend auf dem Transfermarkt. Bekannteste Neuverpflichtung ist der türkische Nationalstürmer Fatih Tekke, der von Zenit kam. Ansonsten vertraut Trainer Kurban Berdjew - Markenzeichen: Baseballmütze und giftgrüne Trainingsjacke - seiner eingespielten Meistertruppe. Mit Erfolg: Kasan krallte sich mit einem 1:0 gegen Pokalsieger ZSKA vor wenigen Tagen den Supercup und damit den ersten Titel der Saison. Ein Opfer der Finanzpolitik, die viele Clubs allein am Tropf von Sponsoren hängen lässt, wurde der letztjährige Sechstplatzierte FK Moskau. Der Traditionsverein, früher international unter dem Namen Torpedo erfolgreich, musste sich wegen gekappter Geldzusagen zurückziehen. Trotz eines kurzen Booms nach der erfolgreichen EM 2008 ist das Interesse an der heimischen Liga gering. Selbst bei den zahlreichen Moskauer Stadtderbys - vier der 16 Teams kommen aus der Hauptstadt - bleiben meist viele Plätze leer. Fußball ist hinter Eishockey weiter nur die Sportart Nummer zwei in Russland. Daran änderte auch das frühe Aus der Kufen-Cracks bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver nichts. Anders als etwa in Deutschland sind kaum Frauen und Kinder in den Fußballstadien zu sehen. Weite Reisen - die Erstligisten kommen aus so entfernten Gegenden wie der Ostsee und Sibirien -, hohe Eintrittspreise, oft marode Arenen sowie die verbreitete Gewalt schrecken die Zuschauer vom Spielbesuch ab. Viele Fans hoffen, dass Russland den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 erhält und so die notwendige Modernisierung vorangetrieben wird. International setzen die Fans ihre Hoffnung auf die beiden verbliebenen Europapokal-Vertreter, Rubin - in der Europa League Gegner von Bundesligist VfL Wolfsburg - und ZSKA, das in der Champions League gegen den FC Sevilla spielt. Das Aus in der Qualifikation für die WM in Südafrika gegen den Fußballzwerg Slowenien im entscheidenden Relegationsspiel hat das Riesenreich noch immer nicht verdaut. Als Topfavorit auf die Nachfolge Hiddinks, der nun die türkische Nationalelf übernimmt, gilt der Russe Waleri Gassajew vom ukrainischen Topclub Dynamo Kiew.
 |