Unerreicht: Star-Schiri Pierluigi Collina wird 50
Rom (dpa) - 13.02.2010, 00:06 Uhr
Der italienische Schiedsrichter Pierluigi Collina lächelt beim Halbfinale der Euro 2004.
Hätte ihn die Altersregelung der FIFA nicht zum Rücktritt gezwungen, wäre Pierluigi Collina wohl immer noch der beste Schiedsrichter der Welt. Auch zu seinem 50. Geburtstag am 13. Februar präsentiert sich der Italiener topfit, seinen stechenden Augen entgeht nichts. Fünf Jahre nach dem Abschied des charismatischen Glatzkopfes von der großen Fußballbühne wünschen sich viele den sechsmal zum besten Referee der Welt gewählten Bologneser immer noch zurück. Mittlerweile tanzen jedoch nicht mehr die Spieler, sondern nur noch die einstigen Kollegen nach seiner Pfeife. Seit 2007 ist er Schiedsrichterkoordinator der italienischen Ligen. Und dabei ist der «Fußball-Kojak» so kompromisslos wie eh und je - was nicht allen gefällt: Wegen Morddrohungen musste Collina vor einem Jahr sogar unter Polizeischutz gestellt werden. Einschüchtern ließ er sich dennoch nicht. Sein Selbstbewusstsein, das ihn auf dem Platz so entscheidungssicher machte, ist ungebrochen.
Als erster und einziger Unparteiischer stieg Collina im Millionen-Business Fußball selbst zum Star auf. Große Unternehmen schmückten sich mit ihm und bescherten dem Schiedsrichter schon zu seiner aktiven Zeit Jahreseinnahmen von mehr als 200 000 Euro. Als Finanzberater und Absolvent der Wirtschaftsfakultät der Universität Bologna wusste Collina seine Popularität immer schon zu versilbern, wofür er im Kollegenkreis auch Neid erntete: «Collina dreht ja fast schon mehr Werbespots als David Beckham», moserte einst der österreichische Schiedsrichter Günter Benkö. Andere Kollegen wie der deutsche Volker Roth lobten Collina dagegen für dessen unnachahmliche Regelauslegung. Standen die Regeln der Gerechtigkeit im Weg, setzte sich der Charakterkopf einfach darüber hinweg: So ließ er 1997 zur Halbzeit im Spiel zwischen Foggia und Bari einfach den Seitenwechsel ausfallen, weil Foggias Fans den gegnerischen Torhüter vor ihrer Kurve mit Wurfgeschossen bombardierten. Bei der Europameisterschaft 2000 zeigte er dem Tschechen Latal wegen Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte, obwohl der auf der Bank saß. Seine spontane Regelerweiterung ist heute im Reglement verankert. |