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Südafrikaner werden nervös: Drohen leere Stadien?

Kapstadt (dpa) - 22.01.2010, 15:08 Uhr

Das Greenpoint-Stadion in Kapstadt ist einer der Spielstätten bei der WM 2010.
Das Greenpoint-Stadion in Kapstadt ist einer der Spielstätten bei der WM 2010.

Die Nervosität in Südafrika wächst. In weniger als fünf Monaten beginnt mit der Fußball-WM das größte Sportereignis auf afrikanischem Boden. Aber der Kartenverkauf ist schleppend. Beunruhigende Berichte über Kriminalität und Gewalt verunsichern Gastgeber und Fans.

Die ökonomischen Erwartungen klingen zunehmend gedämpfter. Die Zweifel, ob wirklich 450 000 ausländische WM-Touristen ins Land kommen, wachsen. Und langsam wird vielen Südafrikanern klar, dass sie als Austragungsort des Turniers von der ganzen Welt nun wie unter einer Lupe betrachtet und beurteilt werden.

Dabei hat sich inzwischen herausgestellt, dass es bei der WM fantastische Stadien geben wird. Ob Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona oder der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke - sie alle zeigten sich «restlos begeistert» von der Schönheit und Perfektion der Spielstätten. Auch beeindrucken das oft leidenschaftliche Engagement der WM-Mitarbeiter, die Gastfreundschaft der Südafrikaner oder auch die Professionalität der WM-Macher und - Sicherheitsexperten. Die Städte putzen sich heraus, als ob übermorgen schon der WM-Auftakt wäre. Aber es gibt auch die andere Seite.

Im südafrikanischen Fernsehen wurden zwei vermummte Gestalten interviewt, die mit bewaffneten Raubüberfällen und Mordanschlägen während des Turniers drohen. Südafrikas oberster Polizeichef, Bheki Cele, stand der Zorn ins Gesicht geschrieben, als er auf einer Pressekonferenz die «Unverantwortlichkeit» der Fernsehbosse geißelte. Polizeiminister Nathi Mthethwa kündigte Ermittlungen gegen die TV-Verantwortlichen an. Inzwischen wurde einer der Interviewten, ein mehrfach vorbestrafter Krimineller, festgenommen. Der Mann, der den Kontakt zum Fernsehen hergestellt hatte, beging Selbstmord.

Wer als Europäer die Zeitungen des Landes aufschlägt, ist entsetzt über die Fülle der Berichte, in denen es um Verbrechen und Gewalt geht. Die statistische Wahrheit, dass es in Südafrika 30 mal mehr Morde gibt als in Deutschland, nimmt mit Meldungen über Bluttaten, Vergewaltigungen, Raubüberfälle und Schießereien konkrete Gestalt an.


In der Provinz KwaZulu-Natal (knapp zehn Millionen Einwohner) wurden in der Weihnachtszeit 49 000 Menschen festgenommen - viele von ihnen wegen Vergewaltigung, Mord, Raub und Einbruch. «Als ich in Südafrika war, habe ich gelernt, dass man dort nachts lieber nicht allein unterwegs ist», berichtete jüngst Nationalspieler und Südafrika-Kenner Philipp Lahm im «Zeit»-Interview. Kriminalität bleibt die hässliche und vielleicht abschreckende Seite Südafrikas.

Vielleicht auch ein Grund, warum der Kartenverkauf für die WM bisher enttäuschend lief. Eine Ursache liegt auf der Hand: Ein WM- Ausflug für Fans aus Deutschland, Italien oder den Niederlanden wird kein billiges Vergnügen, dazu ist Südafrika viel zu weit entfernt. Experten verweisen darauf, dass der bisherige Auslandsverkauf ohnehin noch geschönt sei, weil viele Agenturen sich Kontingente gesichert hätten, für die Abnehmer erst noch gefunden werden müssten. Um den Verkauf anzukurbeln, schrieb die FIFA jetzt bisher leer ausgegangene Karteninteressenten per E-Mail an und forderte sie zu neuen Kaufgesuchen auf. Tickets seien noch für alle 64 Spiele erhältlich.

Auch im Gastgeberland selbst stottert der Absatz erheblich, wobei noch unklar ist, ob es die für südafrikanische Fans hohen Preise sind oder das ungewohnte Verkaufssystem übers Internet. Die Gewerkschaften fordern inzwischen eine Senkung der Preise, die für Südafrikaner von umgerechnet 12 bis 100 Euro reichen. Fakt ist: Bisher sind weniger als eine Million der über drei Millionen WM-Tickets verkauft.

Südafrika setzt enorme Erwartungen in die WM: Sie soll die Wirtschaft ankurbeln, den Tourismus beflügeln, das Ansehen des Landes heben, das Selbstbewusstsein Südafrikas, ja ganz Schwarzafrikas bestärken. Bedroht wird dieser Ehrgeiz vor allem von zwei Faktoren: Hohen Kosten in Zeiten der Rezession und der düsteren Seite südafrikanischer Wirklichkeit. «Kriminalität ist zur größten Bedrohung unserer Demokratie und Freiheit geworden», klagte jetzt der Ministerpräsident von KwaZulu-Natal, Zweli Mkhize. Sie könnte auch die Freude an einem großartig vorbereiteten Fußballfest in einem faszinierenden Land nachhaltig schmälern.

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