Das Maracanã-Stadion: Rios Fußball-Tempel
Rio de Janeiro (dpa) - 21.01.2010, 16:53 Uhr
Seit der Eröffnung 1950 ließen Millionen Fans Brasiliens berühmtesten Fußball-Tempel unzählige Male erbeben.
Papst Johannes Paul II. war da, auch Frank Sinatra, die Rolling Stones und Madonna, vor allem aber Generationen von Fußball-Legenden. Das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro lockte sie alle. Seit der Eröffnung am 16. Juni 1950 ließen Millionen Fans Brasiliens berühmtesten Fußball-Tempel unzählige Male erbeben. Das Stadion, das eigentlich nach dem Sportjournalisten Mário Filho benannt ist, feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag, geht aber noch lange nicht in Rente. Vielmehr laufen die Vorbereitungen für den nach 1950 zweiten WM-Einsatz im Jahr 2014. Dazu wird der etwas in die Jahre gekommene Rundbau mitten in Rios nördlich gelegenem Stadtteil Maracanã umfassend renoviert und von September an für mehr als zwei Jahre ganz geschlossen. Das letzte Mal erzitterte das Maracanã am 6. Dezember 2009, als der nicht minder legendäre Club Flamengo, kurz «Fla», zum sechsten Mal den brasilianischen Meistertitel holte. Die schätzungsweise mehr als 100 000 Fans verwandelten das Stadion in einen Hexenkessel mit Feuerwerk und Sambatrommeln und einem Meer von Fahnen in den Clubfarben Schwarz-Rot. «Eigentlich hat das Maracanã nur 86 100 Sitzplätze. Die Leute sollen sitzen und nicht stehen», sagt Luiz, ein Ordner und fügt gleich hinzu: «Theoretisch».
Denn wenn etwa «Fla»-Star Adriano ein Tor schießt, gibt's auf den Tribünen kein Halten mehr. Bei Temperaturen von mehr als 40 Grad tanzen und hüpfen die schweißgebadeten Fans in gigantischen Pulks. Sprechchöre hallen von einer Seite des Stadions zur anderen, und der unbedarfte Zuschauer wird leicht nervös ob der heftigen Vibrationen in der gesamten Arena. Über den Zuschauerrekord gibt es keine verlässlichen Daten. Aber in den 1950er und 1960er Jahren waren schon über 200 000 Menschen im Stadion. Das entspricht etwa der heutigen Gesamteinwohnerzahl einer Stadt wie Rostock. Um ein Ticket für ein Spitzenspiel zu ergattern, stehen die Fans oft stundenlang vor den vergitterten Schaltern. Durch eine winzige Öffnung schieben sie Geldscheine und dann reicht eine Hand die ersehnten Karten für die verschiedenen Blöcke hinaus. Während Zehntausende Fans, darunter viele Frauen und Kinder, in den «Tempel» strömen, steigt auch bei den «Jogadores», den Spielern, in den Katakomben die Spannung. Der graue, schwarz-blau gepunktete Linoleumboden in den Umkleidekabinen hat schon viel Athleten-Schweiß gesehen. Keine Spur von Luxus. Es riecht nach Arbeit. |