Siegenthaler will Ghana-Sieg: «Wäre gut für uns»
Cabinda/Hamburg (dpa) - 17.01.2010, 18:17 Uhr
Joachim Löw und Urs Siegenthaler (r) beobachten gemeinsam ein Spiel bei der EM 2008.
Gegen Burkina Faso wird Urs Siegenthaler den «Black Stars» die Daumen drücken. Allerdings mehr aus Eigennutz denn aus plötzlich entdeckter Liebe zu Ghanas Fußball-Nationalmannschaft. Denn sollte Deutschlands letzter WM-Gruppengegner sein Alles-oder-Nichts-Spiel beim Afrika Cup am 19. Januar nicht gewinnen, wäre Siegenthalers Ghana-Spionagetour schneller zu Ende als geplant. «Ich hoffe, dass ich sie nach der Vorrunde nochmals sehen darf. Das wäre gut für uns», sagte Joachim Löws Chefscout. Schließlich will der Schweizer den Bundestrainer bestens über Ghanas Stärken und Schwächen informieren können, um Michael Ballack und Co. am 23. Juni in Johannesburg eine unliebsame Überraschung zu ersparen. Was Siegenthaler zwei Tage zuvor von den Ghanaern zu sehen bekommen hatte, musste ihn mit Blick auf die WM nicht beunruhigen. Trotz 35-minütiger Überzahl verlor der vierfache Afrika-Cup-Sieger am 15. Januar mit 1:3 gegen die Elfenbeinküste. Nun muss im Gruppen-Endspiel gegen Burkina Faso mit dem HSV-Profi Jonathan Pitroipa unbedingt ein Sieg her, soll in Angolas Hauptstadt Luanda das frühe Aus vermieden werden. «In unserem nächsten Match geht es um die Frage von Sein oder Nicht-Sein», sagte Ghanas serbischer Trainer Milovan Rajevac. «Deshalb werden wir das Bestmögliche tun, um unser Team vorzubereiten und die Partie zu gewinnen.»
Vor der umkämpften Partie gegen die Elfenbeinküste war ihm dies nicht gelungen. Sein Versuch, den routinierten und physisch überlegenen Ivorern um Superstar Didier Drogba viele U 20-Weltmeister entgegenzustellen, floppte. Dies deutete auch Siegenthaler in seiner Analyse des «von großer Verbissenheit» und «Zweikämpfen an der Grenze» geprägten Duells an. «Vielleicht war es des Guten zu viel, gleich mit fünf jungen Spielern anzufangen», sagte der DFB-Scout, der bis zum Finale am 31. Januar in Angola bleiben will. Vor dem Spiel gegen Burkina Faso bangt Rajevac erneut um Antreiber Michael Essien. Der Chelsea-Star verletzte sich im Training am Knie und muss sich noch eingehenden Untersuchungen unterziehen. Wie man ein Hopp-oder-Top-Spiel erfolgreich bestreitet, konnten sich die Ghanaer am Freitag aus nächster Nähe anschauen. Nach dem 0:0 zum Auftakt gegen Burkina Faso stand die Elfenbeinküste unter enormem Druck - und hielt auf diesem Weg zwischen «Himmel und Hölle», so Coach Vahid Halilhodzic, die Spur. Dank der Tore von Gervinho (23. Minute), Siaka Tiéné (66.) und Drogba (90.) rang der Turnierfavorit den westafrikanischen Rivalen nieder und qualifizierte sich als erste Mannschaft fürs Viertelfinale. «Unsere Fans und die ganze Nation hätten uns nicht verziehen, wenn wir es nicht geschafft hätten», sagte Halilhodzic, dem bei einem frühen K.o. wohl eine Trainerdiskussion gedroht hätte. So aber ist nun Kollege Rajevac unter Zugzwang.
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