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Togo sagt Teilnahme am Afrika-Cup ab

Luanda (dpa) - 09.01.2010, 19:57 Uhr

Togos Fußball-Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines Clubs unversehrt.
Togos Fußball-Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines Clubs unversehrt.

Die togoische Regierung hat auf das blutige Attentat auf den Bus der Fußball-Nationalmannschaft reagiert und die Teilnahme der Landesauswahl am Afrika Cup abgesagt.

Nachdem viele Spieler sich bereits für einen Boykott des Turniers ausgesprochen hatten, erklärte ein Regierungssprecher den Rückzug der Mannschaft Togos. «Wir können unter diesen Umständen am Wettbewerb nicht teilnehmen. Die Spieler stehen unter Schock», sagte Pascal Bodjona in einem Statement.

Zuvor hatten Gespräche darüber, das Turnier später beginnen zu lassen, keine Entscheidung gebracht. Stürmer Thomas Dossevi sagte der amerikanischen Nachrichtenagentur AP: «Ich bin sicher, dass andere Mannschaften auch nicht spielen werden, wenn der CAF den Beginn des Turniers nicht verschiebt», wurde Dossevi zitiert.

«Kein Spieler ist bereit, bei diesem Cup anzutreten. Wir sind gekommen, um ein Fußball-Fest zu feiern, aber jetzt ist es, als würde man in den Krieg ziehen», hatte Togos Torwart Kossi Agassa im Radio France Info zuvor schon gesagt. Togo sollte am 11. Januar in Cabinda gegen Ghana sein erstes Turnierspiel bestreiten. Doch auch die Ghanaer beraten inzwischen mit ihrem Verband darüber, ob sie ihre Teilnahme am Afrika Cup aufrechterhalten wollen.

Den Feuerüberfall einer Separatistengruppe überlebten bislang wahrscheinlich drei Personen nicht. Während die togoische Regierung zunächst mitteilte, nur der Busfahrer sei ums Leben gekommen, war in anderen Berichten von mehr Todesopfern die Rede. Verwirrung herrschte über das Schicksal von Torwart Kodjovi Obilale. Die Meldung auf der Homepage des französischen Radiosenders RMC, der Keeper habe seine Verletzungen nicht überlebt, wurde vom Präsidenten von Obilales Club GSI Pontivy dementiert. Er stünde in ständigem Kontakt mit der Ehefrau Obilales, der in eine Klinik in Südafrika gebracht worden sei, wurde Clubpräsident Philippe Le Mestre bei «L'Equipe» zitiert.


Ein Sprecher des afrikanischen Verbandes hatte zuvor bestätigt, dass ein Assistenz-Trainer Togos und der Pressesprecher gestorben seien. Torwart Agassa, sprach bei France-Info von drei Toten. Weitere Personen seien verletzt worden. Der Weltfußball-Verband FIFA forderte vom afrikanischen Verband CAF und dessen Präsidenten Issa Hayatou einen umfangreichen Bericht an.

Dennoch soll das Turnier mit dem Spiel Angola gegen Mali planmäßig beginnen. CAF-Mediendirektor Suleimanu Habuba sagte, der Anschlag auf Togos Spieler sei ein Schock. «Unsere höchste Priorität gilt der Sicherheit der Spieler, doch das Turnier wird stattfinden», betonte Habuba. CAF-Präsident Hayatou will vom angolanischen Ministerpräsidenten Paulo Kassoma Garantien für die Sicherheit fordern. Verbandsvertreter mit Mitgliedern der angolanischen Regierung wollen sich über die Sicherheit für die Sportler und ihre Teams bei dem bis zum 31. Januar dauernden Turnier beraten.

Während einige englische Vereine ihre Spieler zurückholen wollen, herrschte bei Bundesliga-Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen erstmal Erleichterung. Bei dem Angriff blieb Bayer-Spieler Assimou Touré nach ersten Informationen unversehrt. «Was wir wissen, ist, dass ihm persönlich nichts passiert ist. Doch dies können wir nur mit aller Vorsicht sagen», erklärte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Verein denkt allerdings ebenfalls darüber nach Touré nach Deutschland zu holen, «weil wir uns Sorgen wegen der schwierigen Sicherheitslage machen», sagte Holzhäuser.

Sportmanager Michael Zorc von Borussia Dortmund betonte allerdings, dass dies nicht so einfach für Vereine sei. «Die FIFA müsste erst die Abstellungspflicht aufheben, damit wir handeln können. Solange das nicht geschieht, können wir unsere Spieler nicht heimholen, weil sie dann gesperrt wären», so Zorc. BVB-Profi Mohamed Zidan ist mit der Auswahl Ägyptens beim Afrika Cup. «Wir werden mit ihm Kontakt aufnehmen. Wenn er um seine Sicherheit fürchten würde oder gravierende Sicherheitsbedenken bestehen sollten, würden wir auch eine Sperre in Kauf nehmen und ihn zurückholen, wenn er es will», sagte Zorc der «Berliner Morgenpost».

Die CAF kritisierte die Entscheidung der togoischen Mannschaft, statt mit dem Flugzeug mit dem Bus nach Angola zu reisen. Das Team habe den Verband nicht informiert, dass es über Land und ohne Sicherheitsmaßnahmen in das als gefährlich bekannte Gebiet reisen würde. Zu dem Anschlag bekannte sich der bewaffnete Arm der separatistischen Bewegung FLEC (Front für die Befreiung der Enklave Cabinda), wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa berichtete. Die Gruppe habe weitere Angriffe während des Turniers angedroht.

Angola liegt über 1000 Kilometer von Südafrika entfernt. Dort wird vom 11. Juni bis 11. Juli die WM ausgetragen. Vor allem FIFA- Präsident Joseph Blatter hat sich immer wieder trotz Sicherheitsbedenken wegen der hohen Kriminalitätsrate für die erste WM in Afrika stark gemacht. In ihrer kurzen Stellungnahme nahm die FIFA keinen Bezug zur WM.

WM- Kommunikationschef Rich Mkhondo betonte in Johannesburg, dass der tödliche Zwischenfall im Nachbarland Angola rein gar nichts mit der Lage in Südafrika zu tun habe. Das sei so, als ob man beispielsweise einen Vorfall in Tschechien mit der Situation in Großbritannien in Verbindung zu bringen versuchte, meinte Mkhondo.

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