Togo will Afrika Cup verlassen
Luanda (dpa) - 09.01.2010, 18:45 Uhr
Togos Fußball-Star Emmanuel Adebayor blieb nach Angaben seines Clubs unversehrt.
Die Fußball-Nationalmannschaft von Togo will den Afrika Cup in Angola nach dem blutigen Anschlag auf den Teambus verlassen. Wie Angreifer Thomas Dossevi der Nachrichtenagentur AP bestätigte, plane die Mannschaft, per Flugzeug die Heimreise anzutreten. Dossevi äußerte sich enttäuscht über die Haltung des Afrikanischen Verbandes CAF, das Turnier trotz der Bluttat nicht zu einem späteren Zeitpunkt beginnen zu lassen. «Ich bin sicher, dass andere Mannschaften auch nicht spielen werden, wenn der CAF den Beginn des Turniers nicht verschiebt», wurde Dossevi zitiert. «Wir sind Fußballer, wir spielen gerne Fußball, aber es gibt Dinge, die wichtiger sind.» Bei dem Feuerüberfall einer Separatistengruppe sind wahrscheinlich drei Personen getötet worden. Während die togolesische Regierung zunächst mitteilte, nur der Busfahrer sei ums Leben gekommen, war in anderen Berichten von mehr Todesopfern die Rede. Verwirrung herrschte über das Schicksal von Torwart Kodjovi Obilale. Während auf der Homepage des französischen Radiosenders RMC berichtet wurde, der Keeper habe seine Verletzungen nicht überlebt, wurde dies vom Präsidenten von Obilales Club GSI Pontivy dementiert. Er stünde in ständigem Kontakt mit der Ehefrau Obilales, der in eine Klinik in Südafrika gebracht worden sei, wurde Clubpräsident Philippe Le Mestre, bei «L'Equipe» zitiert. Ein Sprecher des afrikanischen Verbandes hatte zuvor bestätigt, dass ein Assistenz-Trainer Togos und der Pressesprecher gestorben seien. Ein weiterer Torwart Togos, Kossi Agassa, sprach bei France-Info von drei Toten. Weitere Personen seien verletzt worden.
Erste Erleichterung gab es bei Bundesliga-Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen: Bei dem Angriff blieb der Bayer-Spieler Assimou Touré nach ersten Informationen unversehrt. «Was wir wissen, ist, dass ihm persönlich nichts passiert ist. Doch dies können wir nur mit aller Vorsicht sagen», erklärte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die CAF kritisierte die Entscheidung der togolesischen Mannschaft, statt mit dem Flugzeug mit dem Bus nach Angola zu reisen. Das Team habe den Verband nicht informiert, dass es über Land und ohne Sicherheitsmaßnahmen in das als gefährlich bekannte Gebiet reisen würde. Zu dem Anschlag bekannte sich der bewaffnete Arm der separatistischen Bewegung FLEC (Front für die Befreiung der Enklave Cabinda), wie die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa berichtete. Die Gruppe habe weitere Angriffe während des Turniers angedroht. |
Einige Vereine aus der englischen Premier League wollen ihre Spieler aus Afrika zurückholen. «Ich habe zwei Spieler dort, und ich will, dass sie nach Hause kommen», sagte Hull Citys Trainer Phil Brown der Boulevardzeitung «The Sun». Hulls Stürmer Daniel Cousin spielt für Gabun, Mittelfeldmann Seyi Olofinjana spielt für Nigeria. Der FC Portsmouth, der vier Spieler für den Afrika-Cup abgestellt hat, schloss sich der Forderung unter Vorbehalt an. Auch Bundesliga-Tabellenführer Leverkusen erwägt, seinen Jung- Profi Touré zurückzuholen. «Wir haben schon darüber nachgedacht, weil wir uns Sorgen wegen der schwierigen Sicherheitslage machen», sagte Holzhäuser, der sich in dieser Frage auch mit seinen Bundesliga- Kollegen beraten will. Kritik übte er generell an der Vergabe des Afrika-Cups nach Angola: «Es ist schon unverständlich, dass das Turnier nach Angola vergeben wurde, obwohl in dem Land seit Jahren Unruhen und bürgerkriegsähnliche Zustände geherrscht haben.» Borussia Dortmunds Sportmanager Michael Zorc betonte allerdings, dass ist nach so einfach für Vereine sei, Spieler von dem Turnier nach Hause zurückzubeordern. «Die FIFA müsste erst die Abstellungspflicht aufheben, damit wir handeln können. Solange das nicht geschieht, können wir unsere Spieler nicht heimholen, weil sie dann gesperrt wären», so Zorc. Das zeige die ganze Ohnmacht der Clubs vor den Verbänden. BVB-Profi Mohamed Zidan ist mit der Auswahl Ägyptens beim Afrika Cup. «Wir werden mit ihm Kontakt aufnehmen. Wenn er um seine Sicherheit fürchten würde oder gravierende Sicherheitsbedenken bestehen sollten, würden wir auch eine Sperre in Kauf nehmen und ihn zurückholen, wenn er es will», sagte Zorc der «Berliner Morgenpost». Dass dieser Anschlag gravierende Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika haben könnte, glaubt er nicht. «Ich kann es mir nicht vorstellen, aber der Weltverband FIFA wird da gefordert sein», meinte er, «doch bei einer WM gelten in puncto Sicherheit ganz andere Maßstäbe.» Vor allem FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich immer wieder trotz Sicherheitsbedenken wegen der hohen Kriminalitätsrate für die erste WM in Afrika stark gemacht. In ihrer kurzen Stellungnahme am Samstag nahm die FIFA keinen Bezug zur WM. Angola liegt über 1000 Kilometer von Südafrika entfernt.
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