FIFA tagt auf Mandelas einstiger Kerker-Insel
Kapstadt (dpa) - 03.12.2009, 16:14 Uhr
Der Eingang zur Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstad.
Bei der für Präsident Joseph Blatter «emotionalsten Sitzung» des Exekutivkomitees hat die Weltregierung des Fußballs die Rekord-Prämien für die WM 2010 festgelegt. Auf der früheren Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt beschloss das Gremium um Franz Beckenbauer, dass der Titelträger im kommenden Jahr mit 20,5 Millionen Euro belohnt wird. Sogar die 16 Teams, die in der Vorrunde scheitern, bekommen insgesamt noch knapp sechs Millionen Euro als Trostpflaster. Für Blatter standen aber nicht die Zahlen im Mittelpunkt. Der Schweizer zeigte sich von der Bedeutung der Sitzung auf Robben Island bewegt. «Das ist ein historischer Tag für die FIFA und den Fußball» sagte Blatter. Auf Nelson Mandelas einstiger Gefängnisinsel traf die FIFA- Exekutive zudem die Entscheidungen, das olympische Fußball-Turnier im gleichen Format beizubehalten. Auch in London 2012 sollen trotz des Konflikts mit dem Internationalen Olympischen Komitee nur Akteure unter 23 Jahren und zwei ältere Spieler pro Team erlaubt sein. Die Frauen-WM soll von 2015 an mit 24 statt 16 Teams stattfinden, legte die FIFA-Exekutive zudem fest.
Auf Robben Island blieben aber auch die historischen Aspekte nicht unbedacht. Einen Tag vor der Auslosung der WM-Gruppen betonte Blatter den von der FIFA unterstützten Freiheits-Gedanken. Die heute auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO stehende 547 Hektar große Insel war seit dem 16. Jahrhundert abwechselnd vorgeschobener Militärposten, Strafkolonie und auch ein Sammelplatz für Lepra-Kranke. Knapp acht Kilometer vor Kapstadt gelegen war die Insel zu Apartheid-Zeiten ein Hochsicherheits-Gefängnis. Jahrelang war hier der einst prominenteste Häftling der Welt, der spätere Friedensnobelpreisträger und erste schwarze Präsident des Landes, Nelson Mandela, eingekerkert. Fußball war auf der Insel Überlebenstechnik: Mandelas Mithäftlinge kickten dort jahrelang gegen die tägliche Unterdrückung. Mehr als vier Jahre hatten sie für ihr Recht auf Fußball betteln müssen und dann nach den Regeln der FIFA ihren legendären Makana-Fußballverband gegründet. Die ersten Partien wurden illegal mit Bällen aus Stoff in den Zellen ausgespielt. Einer der Club-Kapitäne hieß Jacob Zuma und ist der heutige Präsident Südafrikas - er wird am Freitag ebenfalls bei der Gruppen-Auslosung in Kapstadt dabei sein. Für den FIFA-Termin auf der Gefängnisinsel sagte der Top-Politiker allerdings ab. «Was auf Robben Island passierte ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Fußball weit mehr als nur ein Spiel ist. Für die Freiheitskämpfer ging es um Würde, um Respekt, Spaß und Hoffnung in einem Raum, in dem die Menschlichkeit inmitten von Unterdrückung und Infamie überlebte», schrieb Blatter einst. Es habe hohe symbolische Kraft und zeige in einer geteilten und nicht immer fairen Welt, wofür Fußball stehen kann. Die FIFA hatte dem Makana-Fußballverband im Juli 2007 als symbolischen Akt die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
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