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«Ke Nako»: Südafrikas WM-Countdown beginnt

Kapstadt (dpa) - 03.12.2009, 10:46 Uhr

Kapstadt bereitet sich auf die WM 2010 in Südafrika vor.
Kapstadt bereitet sich auf die WM 2010 in Südafrika vor.

Die Bühne ist bereitet, Afrikas erste WM-Show kann beginnen. Mit einer farbenfrohen Inszenierung stimmt sich Gastgeber Südafrika bei der Gruppenauslosung in Kapstadt für das Turnier im Sommer 2010 ein - und die Kritiker sind deutlich leiser geworden.

Die WM-Stadien sind weitgehend fertig, überall wird mit Hochdruck an der Modernisierung von Flughäfen, Hotels oder des Bussystems gearbeitet. Zwar stöhnen die Südafrikaner über die kilometerlangen Staus, die die zahlreichen Baustellen verursachen. Doch trotz gedrückter Wirtschaftslage mit massenhaften Arbeitsplatzverlusten und knapper werdenden öffentlichen Budgets machen sich Stolz und gespannte Erwartung in der Bevölkerung breit. Wenn am 04. Dezember die ganze Fußball-Welt nach Kapstadt blickt, weiß auch Cheforganisator Danny Jordaan, dass der große WM- Moment nah ist. «Jetzt ist die Zeit gekommen. Wir haben einen langen Weg hinter uns und wir sind voller Selbstvertrauen. Es soll die beste WM aller Zeiten werden», sagte der Fußball-Funktionär.

Noch laufen die letzten Vorbereitungen im International Convention Center. Doch Jordaan ist sich seiner Sache sicher. Wenn Oscar- Gewinnerin Charlize Theron und FIFA-Generalsekretär Jerôme Valcke durch die 90-Minuten-Auslosung führen, bei der Deutschland im besten Topf 1 gesetzt ist, wird man «Afrikas Rhythmus» spüren können. Die Rekordzahl von 200 Millionen Menschen in 200 Ländern erwartet man an den TV-Geräten. Sport-Promis wie David Beckham und Haile Gebrselassie werden in die Show einbezogen, bei der der Soweto Gospel Chor und andere afrikanische Musiker für den kulturellen Touch des Kontinents sorgen werden.

Die etablierten Fußball-Nationen schauen zunehmend mit einer Mischung aus neugieriger Erwartung, ein wenig Skepsis, vor allem aber steigender Bewunderung auf das ihnen bisher unbekannte WM-Land. Als Indikator für die geänderte Wahrnehmung werden die Reaktionen ausländischer Besucher, aber auch schlagzeilenträchtige Buchungen prominenter Ausländer gewertet. Wie etwa in Kapstadts Vorort Clifton, wo sich ein unbekannter VIP für die gesamte WM-Zeit eine Villa mit Meeresblick für eine Million Dollar Miete gesichert hat.

Andere Villenbuchungen in «Südafrikas St. Tropez» werden erwartet, sobald die Spielpaarungen ausgelost sind. «Das wird der echte WM- Anstoß sein... Ihr seid bereit, ich bin bereit, Afrika ist bereit, Südafrika ist bereit, Kapstadt ist bereit», meinte FIFA-Präsident Joseph Blatter vor Kapstadts Honoratioren. Südafrika ist in der Tat bereit - auch wenn bei weitem nicht alles so glänzend ist, wie es die Offiziellen gerne glauben machen wollen.


Die Regenbogennation bangt nicht nur um das Abschneiden ihrer Bafana Bafana, die wegen ihrer zuletzt enttäuschenden Auftritte zunehmend Hohn und Spott ausgesetzt ist. Neben der weiterhin problematischen Sicherheitslage sind es vor allem die Transportschwierigkeiten bei einer auf in Scharen anreisenden Fans nicht eingerichteten Infrastruktur, die weiter für Sorgenfalten sorgen. Ein modernes Schnellbussystem wurde von der am Kap herrschenden Taxi-Mafia weitgehend torpediert. Sie dominiert mit ihren oft klapprigen Minibussen weiter den öffentlichen Nahverkehr und sieht im massentauglichen Bussystem Konkurrenz.

Auch ökonomisch zeichnet sich ab, dass die erhoffte WM-Dividende in der erwarteten Höhe ausbleiben wird. Tausende Arbeiter sind nach der Fertigstellung der modernen und architektonisch anspruchsvollen Arenen bereits arbeitslos. Sie werden ein Millionen zählendes Heer von Arbeitslosen verstärken, das die globale Rezession noch hat anschwellen lassen. Zudem werden die Mittel knapper. «WM wird Südafrika nicht reich machen», titelte die «Cape Times» mit Blick auf die Prognosen eines prominenten Ökonomen.

Die Regierung der reichsten Provinz Südafrikas warnte bereits die Bevölkerung, dass es wegen der WM-Umschichtung der Finanzmittel nicht mehr genug Geld für die Ausbesserung der Straßen gebe. Dennoch gibt es kaum Zweifel an einer afrikanischen Fiesta, die für Euphorie und den erhofften Imagewandel Afrikas sorgen soll. Der WM-Slogan «Ke Nako» («Es ist an der Zeit») vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 soll mit afrikanischer Lebensfreude demonstriert werden. Immerhin verlief der WM-Testlauf - der Confederations Cup - im Juni ohne das befürchtete Organisationschaos; und nach der Gruppenauslosung beginnt nun die Feinplanung für das Fußball-Fest in Afrikas Süden.

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