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Schweizer Fußball sieht mit Bangen auf Wettskandal

Bern/Genf (dpa) - 24.11.2009, 14:42 Uhr

Zwei Festnahmen in der Schweiz, zwei suspendierte Spieler: Die Eidgenossen könnten stärker in den internationalen Wettskandal verwickelt sein als sie bisher wahrhaben wollen.

Zwar waren die Medien in der Alpenrepublik bisher weitgehend auf Spekulationen und vage Einzeläußerungen angewiesen. Doch Tag für Tag werden neue Vereine genannt, wobei die Beweise derzeit noch dürftig sind. Inzwischen ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit manipulierten Sportwetten, wie Sprecherin Jeannette Balmer der dpa bestätigte. Der im Zusammenhang mit Manipulationen genannte Zweitligist FC Thun verlangt von seinen Spielern eine schriftliche Erklärung über ihr Verhalten.

Obwohl auch Schweizer Clubs betroffen sein sollen und mit dem FC Thun und dem FC Gossau zwei Zweitligisten bereits konkret genannt wurden, kocht das Thema noch auf kleiner Flamme. Das liegt vor allem daran, dass sich die großen Fußballverbände Schweizer Fußballverband (SFV) und die Swiss Football League (SFL) völlig bedeckt hielten. Zwar liegt ihnen die sogenannte «Schwarze Liste» der möglicherweise betroffenen Vereine vor, doch wie bei der ermittelnden Bundesanwaltschaft stoßen dort auch Reporter auf einer Mauer des Schweigens. Dass es ein Riesenskandal werden könnte, darüber scheint in der Schweizer Sportwelt derzeit aber fast Einigkeit zu bestehen.

Bisher machte dagegen vor allem der FC Zürich Schlagzeilen. Er will die Auswärts-Fans bei Spielen mit hohem Krawallrisiko einfach aussperren, indem an sie keine Eintrittskarten mehr verkauft werden. Das findet breite Zustimmung, da das Thema Gewalt in Stadien seit langem einen hohen Aufmerksamkeitswert in der Schweiz hat.

Dagegen rückt der Wettskandal erst langsam ins Schweizer Bewusstsein. So will der FC Thun erreichen, dass die Spieler mit ihrer Erklärung «eine Beteiligung an diesen illegalen Wettmachenschaften explizit" verneinen», hieß es in einer Pressemitteilung. Ein interner Ausschuss hatte Stürmer Omar Pape Faye vorgeladen. «Dabei stellte sich heraus, dass der junge Spieler am letzten Freitag von der Polizei als Zeuge befragt wurde», teilte der Verein mit. Neben der Begegnung Yverdon - Thun vom 26. April 2009 soll auch das Spiel Gossau - Thun vom 17. April 2009 Gegenstand der Ermittlungen sein.


Thun verlängerte die ausgesprochene interne Sperre gegen Omar Pape Faye bis Ende des Jahres. «Um den Spieler selbst zu schützen und dem restlichen Kader die nötige Ruhe für die die Vorbereitung und Austragung der drei letzten Spiele des Jahres zu gewährleisten», hieß es. Auch der Zweitligist FC Gossau hat bereits einen Spieler suspendiert. Mario Bigoni soll nach Club-Angaben zugegeben haben, «dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen» sei.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft will sich aus «ermittlungstaktischen Gründen» weiterhin nicht offiziell zu ihren Erkenntnissen äußern, sagte ihre Sprecherin. Die Justizbehörde hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass sie einem Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Bochum nachkommt. Sie bestätigte, dass zwei Verdächtige in der Schweiz festgenommen wurden.

In Medienberichten hieß es, der bulgarische Club Lokomotive Mezdra habe zwei Testpartien in der Schweiz gegen Young Boys (YB) Bern und Aarau absichtlich 0:5 verloren. Die Spiele fanden am 13. und 17. November statt. Berns Verteidiger Scott Sutter sagte dem «Tages Anzeiger», dass der Gegner in der zweiten Halbzeit völlig auseinandergefallen sei, was aber in Testpartien nichts Ungewöhnliches sei. Aarau-Trainer Martin Andermatt war in diesem Spiel «nichts Besonderes aufgefallen».

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