Fußballwetten sind in China ein Milliarden-Geschäft
Peking (dpa) - 24.11.2009, 14:17 Uhr
Sportwetten, besonders Fußball-Wetten, sind in China äußerst beliebt.
Illegale Fußballwetten sind in China ein Multimilliarden-Geschäft. Einige hundert Milliarden Yuan, umgerechnet zig Milliarden Euro, werden im Reich der Mitte mit dem Ball bewegt. Die Schätzungen reichen von 25 bis 100 Milliarden Euro im Jahr.
«Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte», sagte ein ausländischer Experte, der wegen seiner speziellen Kenntnisse der chinesischen Wettszene lieber nicht namentlich genannt werden wollte. Mit dem wachsenden Wohlstand in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde und der berüchtigten Spielleidenschaft der Chinesen geht der Trend stramm weiter nach oben. Zu 90 Prozent wird auf Fußball gewettet.
Dass die Ermittler im größten Wettskandal der europäischen Fußballgeschichte dem Verdacht nachgehen, dass die Drahtzieher mit Syndikaten in Asien kooperieren, verwundert daher nicht. «Wo immer die großen Geldvolumen herkommen, muss von einer solchen Verbindung ausgegangen werden», sagte der Experte. So lässt sich im fernen China auf alles setzen: auf jede Liga in Deutschland und Europa, auf jedes Spiel. Sehr beliebt sind die Live-Wetten, die während des Matches gesetzt werden können. Hier werden besonders große Volumen bewegt.
Dabei sind Sportwetten in China seit der Machtübernahme der Kommunisten 1949 eigentlich verboten. 1994 wurde lediglich eine staatliche Sportlotterie eingeführt, wo die Spieler wie im deutschen Toto den Ausgang der Fußballspiele tippen können. Im Untergrund haben sich aber illegale Buchmacher und ihre Netzwerke oft in Verbindung mit chinesischen Triaden wie Kraken ausgebreitet. Der europäische Fußball, der auch im chinesischen Fernsehen gezeigt wird, ist besonders beliebt. Die heimischen Kicker geben eher ein trauriges Bild ab. Auch ist Chinas Liga ihrerseits berüchtigt für Korruption und Spielabsprachen.
Die meisten Geschäfte werden noch im traditionellen Mafia-Stil bei Buchmachern und auf der Straße unter kleinen Gangstern abgewickelt. Ein Spieler kennt jemanden, der jemanden kennt, der wiederum seine Kontakte hat - und so weiter. Von einer «Pyramidenstruktur» ist die Rede. Über Mobiltelefon und SMS-Kurznachrichten werden Tipps abgegeben. Inzwischen nimmt auch das Onlinegeschäft zu. Immerhin hat China mit mehr als 300 Millionen Internetnutzern die größte Online- Gemeinde der Welt. Im Ausland angesiedelte Portale werden immer fortschrittlicher, akzeptieren auch chinesische Bankkarten.
Die Behörden in China blocken die Seiten, doch es ist ein Katz- und Maus-Spiel mit den illegalen Anbietern. Immer wieder berichten die Sicherheitsbehörden in China oder Hongkong, einen Wettring ausgehoben zu haben. Die Millionenbeträge, um die dabei es geht, sind beträchtlich, doch gemessen am gesamten Volumen des Wettmarktes klein. So ist das illegale Wettgeschäft nur schwer auszumerzen. Die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong, die seit jeher eine Tradition mit Pferdewetten hat, hat deswegen alle Sportwetten unter dem Hongkonger Jockeyclub monopolisiert, dessen satte Einnahmen der Regierung zufließen.
Die Umsätze in Hongkong machten im letzten Geschäftsjahr 109 Milliarden Hongkong Dollar aus, heute umgerechnet 9,4 Milliarden US- Dollar. Ein Drittel wurde aus Fußballwetten generiert, was ein Rekord seit Einführung der Fußballwetten 2003 war. Dennoch blüht das illegale Wettgeschäft. Erst im Oktober waren in einem zehntägigen Polizeieinsatz zwölf Internet-Wettanbieter ausgehoben worden. Einer davon hatte in einem Jahr Wetten im Umfang von 100 Millionen Hongkong Dollar, umgerechnet 8,6 Milliarden Euro, abgewickelt.