Wettskandal: Weitere Fälle - UEFA früh informiert
Zürich (dpa) - 23.11.2009, 16:52 Uhr
Mit dem Wetten auf Fußball-Spiele werden jedes Jahr Milliarden Euro umgesetzt.
Nach Aussagen des Präsidenten des Ungarischen Fußball-Verbandes (MLSZ) hatte die UEFA bereits seit Monaten Kenntnis vom neuen internationalen Wettbetrugs-Skandal. In der Schweiz ist ein weiterer Verein von Ermittlungen im Fußball-Wettskandal betroffen. Nach Aussagen des Präsidenten des Ungarischen Fußball-Verbandes (MLSZ), Istvan Kisteleki, hatte die UEFA bereits seit Monaten Kenntnis vom neuen internationalen Wettbetrugs-Skandal. «Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Luftballon platzen würde», erklärte der Verbandschef im ungarischen Sport-Portal «nemzetisport.hu». «Auch ich wusste von der Existenz illegaler Wetten», sagte er. «Bereits auf dem UEFA-Kongress im März war das ein Thema. Ein eigener Tagesordnungspunkt war der modernen Betrügerei gewidmet, und wir hielten fest, dass etwas dagegen getan werden müsse.» Nach Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft sollen auch 13 Spiele der ungarischen ersten Liga von den Wettbetrügern manipuliert worden sein. Kisteleki wollte zu den ungarischen Verstrickungen wegen angeblich fehlender Informationen nicht substanziell Stellung nehmen. «Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas übereilen müssen», sagte er.
Der MLSZ werde sich auf einer Präsidiumssitzung am 16. Dezember mit diesem Thema auseinandersetzen. «Wenn uns Entwicklungen mit ungarischem Bezug zur Kenntnis gebracht werden, werden wir natürlich die entsprechenden Maßnahmen ergreifen - vorher nicht.» MLSZ-Sprecher Peter Szerenyi bestätigte, dass ungarische Verbandsfunktionäre an dem Treffen der UEFA mit den neun betroffenen Verbänden in Nyon teilnehmen. Der MLSZ werde dabei durch den Präsidiumssekretär Peter Horvath und den Auslandsdirektor Gusztav Bienerth vertreten sein. Nach dem FC Thun ist ein weiterer Verein der Schweiz betroffen: Der Zweitligist FC Gossau hat seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni suspendiert. Das bestätigte Vereinspräsident Roland Gnägi in der Zeitung «Blick». Bigoni sei geständig, berichtet die Zeitung. Laut Gnägi hat der 25-Jährige zugegeben, «dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen» sei. |
Nach den Medienberichten hatte ein Mitspieler Bigoni mit den Worten angesprochen: «Du, da ist Geld zu verdienen!». Dazu müsse es nur «ein gewisses Resultat» geben. Das sei ja kein Problem, da der FC Gossau ohnehin schon abgestiegen war. Da Bigoni inzwischen von der Polizei vernommen worden sei, sei er umgehend suspendiert worden, sagte Gnägi. Die Schweizer Fußballverbände warten auf weitere Einzelheiten, die sie auch von den Justizbehörden in Deutschland bekommen, bis sie sich äußern wollen. So sieht es auch der Präsident des Zweitligisten FC Thun, Markus Stähli. Der Verein hatte seinen Stürmer Omar Faye gesperrt. Der 22-Jährige habe zugegeben, dass er von der Polizei vernommen wurde. «Wir haben derzeit keine weiteren Informationen, aber alle Verantwortlichen stehen in engem Kontakt», sagte Stähli. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum werden im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Spielmanipulationen durch Sportwetten allein in der Schweiz 22 Partien der 2. Liga und sechs Vorbereitungsspiele untersucht. Der Präsident der Swiss Football League, Thomas Grimm, forderte in der «Neuen Zürcher Zeitung» «drakonische Maßnahmen für die Schuldigen». Der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, sagte, er habe schon vor einigen Monaten Hinweise von der UEFA nahestehenden Personen gehabt. «Ich rechne mit einer beispiellosen und schwierigen Affäre für den europäischen Fußball», sagte er Schweizer Zeitungen. Der österreichische Fußball-Verband forderte unterdessen für die Verantwortlichen im Wettskandal die «härteste Strafen». Es müsse ein klares Signal her, sagte der sozialdemokratische Sportminister Norbert Darabos nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA in Wien. Da zehntausende Menschen geschädigt wurden, seien höhere Strafen als für Doping angebracht. In Österreich stehen nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft elf Spiele in der Ersten und Zweiten Liga unter Manipulationsverdacht. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssten die involvierten Vereine aus dem laufenden Spielbetrieb ausgeschlossen werden, sagte der Sportminister. Sportwetten ganz verbieten will der Politiker aber nicht: Sie seien immer Bestandteil des Sports gewesen und würden dies auch weiter sein. Um Betrug zu vermeiden, müsse man auf bessere Wettsysteme setzen. Frühere Verantwortliche des belgischen Zweitligisten Union Namur sind von Manipulationsvorwürfen gegen ihren Club keineswegs überrascht. «Man hat mich für verrückt erklärt, als ich mich von einigen Spielern getrennt habe. Aber ich wusste, warum», sagte der frühere Manager von Union Namur, Fabio Cordella. «Unsere Mannschaft war nicht schwächer als andere und ist trotzdem richtig vermöbelt worden.» Der damalige Trainer habe seinen Verdacht geteilt, sagte Cordella. Der Italiener ist inzwischen Manager des Zweitligisten Union Saint-Gilloise. Union Namur soll im März ein Spiel gegen Charleroi mit 0:3 und ein Spiel gegen Louvain mit 0:2 wegen betrügerischer Manipulationen verloren haben. Auch der frühere Präsident von Union Namur, Jean-Claude Baudart, zeigte sich nicht überrascht: «Ich muss sagen, dass mir ein Vorsitzender und ein Manager eines Erstliga-Clubs zugeflüstert haben, dass sich seltsame Dinge bei Union Namur ereignen würden», sagte Baudart. «Ich habe mich damals ein bisschen umgehört. Und man konnte wirklich mit dieser Art von Wetten viel Geld verdienen.» Auch der Generalsekretär des belgischen Fußballverbandes, Jean-Marie Philips, nimmt nach Angaben des Verbandes am Krisentreffen bei der UEFA teil.
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