Karel Brückner: Ein «Nationalheiligtum» wird 70
13.11.2009, 10:49 Uhr
Nationaltrainer Karel Brückner beim WM-Qualifikationsspiel gegen Litauen.
Leipzig (dpa) Hageres Fuchsgesicht, weißgraues Haar, streitbarer Charakter: Karel Brückner bietet Karikaturisten eine sprudelnde Inspirationsquelle. Dem ehemaligen Fußball-Nationaltrainer von Tschechien und Österreich wird mit mythischen Beinamen wie «Gandalf» oder «Klekipetra» gehuldigt. Für viele Tschechen steht Brückner mit «Nationalheiligtümern» wie Karel IV. oder Karel Gott auf einer Stufe. Am 13. November feiert der Sohn eines Stoffwarenhändlers aus dem Dorf Repcin bei Olmütz seinen 70. Geburtstag. «Ich konsumiere Fußball nicht wie eine Droge, er füllt aber mein Leben aus», hat Brückner einmal der tschechischen Tageszeitung «Lidove Noviny» gesagt. Den Großteil seines Profi-Lebens als Spieler und Trainer verbrachte der Mozart-Fan bei Sigma Olmütz. 1992 führte er den Verein als Coach sensationell bis ins Viertelfinale des UEFA-Pokals. Seine größten Erfolge feierte Brückner, der einen Abschluss in Maschinenbau besitzt, jedoch als tschechischer Verbandstrainer. Im Jahr 2000 wurde er mit der U-21-Nationalelf EM-Zweiter, am 12. Dezember 2001 übernahm er das A-Team und wurde mit ihm 2004 EM-Dritter. Nach dem Vorrunden- Aus bei der EM 2008 trat er zurück. «Ich probiere es mit der unerträglichen Leichtigkeit des Seins», kündigte er an.
Brückners gespanntes Verhältnis zu Journalisten ist legendär. Während der EM 2004 wurde er gefragt, ob er dem Gruppenspiel gegen die Niederlande entgegenfiebere. Schnippisch antwortete er: «Ich freue mich, wenn Gurken in meinem Garten gedeihen. Und ich freue mich, wenn meine Zähne nicht schmerzen.» Im Sommer 2008 übernahm der passionierte Zeichner dann überraschend die Nationalelf Österreichs. Nach wechselhaften sieben Monaten war Schluss. «Sein Scharfsinn und seine Schlagfertigkeit waren imponierend», erinnert sich Andreas Herzog, ehemaliger Bundesliga-Profi und Co-Trainer unter Brückner. Noch heute ist er als Berater für den tschechischen Verband tätig, obwohl er sich nach dem Abgang in Österreich mit einem Leben als Privatier begnügen wollte. Dass sich der siebenmalige «Trainer des Jahres» in Tschechien wirklich wie ein 70-Jähriger fühlen wird, ist unwahrscheinlich. «Ich habe ein Rechenschema entwickelt, das sechs Parameter umfasst», verriet er. In jüngster Zeit fühle sich Brückner wie 55. Und insgeheim hält er sich an die Worte des ehemaligen Bundesliga-Trainers Otto Rehhagel: «Wer lebt, ist jung.»
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