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Schwitzen in Katar - Wüstenstaat will Fußball-WM

Doha (dpa) - 11.11.2009, 12:11 Uhr

Sportdirektor Andreas Bleicher in seinem Büro in Doha.
Sportdirektor Andreas Bleicher in seinem Büro in Doha.

In der arabischen Welt sind die Menschen nicht weniger fußballverrückt als in Deutschland, England oder Brasilien. Trotzdem hat noch nie ein arabisches Land eine Fußball-WM ausrichten dürfen. Ägypten und Marokko waren mit ihren Bewerbungen um die WM 2010 gescheitert.

Die Ägypter erhielten bei der Abstimmung über den Austragungsort damals keine einzige Stimme, was sie als große Schmach empfanden. Nun bewirbt sich ausgerechnet das winzige arabische Golf- Emirat Katar, das als Fußball-Nation bislang noch überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist, um die Weltmeisterschaft 2022.

«Das ist absurd!», lästern Fußball-Freunde in aller Welt, die sich nicht vorstellen können, wie eine WM-Endrunde in einem Land ablaufen könnte, in dem nur 1,6 Millionen Menschen leben und das vor allem aus Wüste besteht. Doch Ausländer, die schon länger am Golf leben, warnen davor, die Bewerbung der Golfaraber zu unterschätzen. Schließlich hätte vor 20 Jahren auch niemand für möglich gehalten, dass eines Tages der Formel-1-Zirkus in Bahrain und im sittenstrengen Abu Dhabi seine Zelte aufschlagen würde. Und die Tennis-Elite reist schon seit Jahren zum Masters nach Doha - obwohl die Stars in Katar oft vor halbleeren Rängen spielen und immer wieder über die Hitze stöhnen.

«Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Vor allem wenn man genügend Geld hat», erklärt Ehab Abdelfattah Amin, der als Regional Manager der staatlichen Fluggesellschaft Qatar Airways in die Kampagne «Katar 2022» eingebunden ist. «Es hätte ja auch niemand geglaubt, dass hier die Asienspiele stattfinden würden, und dann ist es 2006 doch so gekommen», fügt der ägyptische Manager hinzu.

«Die Bewerbung um die WM 2022 ist nicht aussichtslos», glaubt auch Andreas Bleicher, der deutsche Sportdirektor der Aspire-Sportakademie in Doha. An Plänen für überdachte Stadien und einem «Klimakonzept» werde in Katar schon intensiv gearbeitet. Dass sie es wirklich ernst meinen, wollte wohl auch der sportbegeisterte Kronprinz Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani beweisen. Der Prinz, der sich in dem Golf-Emirat um alle großen Sportprojekte kümmert, ließ in der Hauptstadt Doha vor einigen Wochen überall riesige blau-gelbe Werbeschilder mit der Aufschrift «Katar Bewerbung 2022» aufstellen.


Unabhängige Beobachter sehen vor allem zwei Argumente, die für den Austragungsort Katar sprechen: Das kleine Land sitzt auf riesigen Öl- und Erdgasvorkommen und kann es sich daher leisten, große Summen für den Bau der nötigen Infrastruktur aufzubringen. Außerdem gibt es - anders als am WM-Ausrichterland Südafrika oder in Brasilien - keine Gewaltkriminalität. Auch die Terrorgefahr gilt eher als gering. Gegen Katar spricht dagegen das Klima - Temperaturen von mehr als 40 Grad sind im Sommer normal - und die Tatsache, dass man das Publikum, das die WM-Stadien füllen sollte, fast komplett einfliegen müsste.

Offen ist auch die Frage, ob die israelische Nationalmannschaft, falls sie sich für diese WM qualifizieren sollte, in Katar freundlich empfangen würde. Das Herrscherhaus von Katar pflegt zwar sowohl zum Iran als auch zu Israels wichtigstem Verbündeten, den USA, gute Kontakte. Doch ob die Araber im Publikum bereit wären, zwischen dem Sport und Israels Politik in den besetzten Palästinenser-Gebieten zu trennen, bleibt fraglich. Auch für trinkfreudige Fans aus aller Welt könnte es in dem sittenstrengen islamischen Land schwierig werden.

Doch den Öl-Scheichs scheint nichts unmöglich. Das kleine Emirat Dubai, in dem demnächst das höchste Gebäude der Welt eröffnet wird, hat erst kürzlich verkündet, es wolle sich um Olympia 2020 bewerben.

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