Cruyff: Nach 13 Jahren zurück auf Trainerbank
Barcelona (dpa) - 09.11.2009, 15:10 Uhr
Johan Cruyff wird als neue Trainer der «Nationalmannschaft» von Katalonien vorgestellt.
Mehr als 13 Jahre nach seinem Rauswurf beim FC Barcelona hat Johan Cruyff wieder ein Amt als Trainer übernommen. Der frühere Weltklasse-Fußballer wurde in Barcelona als neuer Coach der Auswahl von Katalonien vorgestellt. Neue Titel wird der 62-jährige Niederländer in seinem Amt allerdings nicht gewinnen können. Denn die «Nationalelf» der Region im Nordosten Spaniens darf nicht an offiziellen Wettbewerben teilnehmen. Sie bestreitet normalerweise nur zwei Freundschaftsspiele im Jahr. Cruyff will seinen Teilzeitjob aber ernst nehmen. «Wir wollen gegen die stärksten Teams der Welt spielen», kündigte er an. «Da darf man sich nicht lächerlich machen.» Cruyff hatte nach seiner Entlassung bei Barça immer wieder lukrative Angebote für Trainerjobs erhalten, aber alle abgelehnt. «Ich werde nie mehr ein Traineramt übernehmen», sagte er schon vor Jahren. «Das ist vorbei.»
Dennoch akzeptierte er nun die Offerte der Katalanen. Dabei wird deren Verband (FCF) ihm kein Gehalt zahlen. «Cruyff erhält von uns nicht einen Euro», sagte der FCF-Präsident Jordi Casals kürzlich. Allerdings dürften die von dem Niederländer betriebene Schule und Stiftung von der Zusammenarbeit mit dem FCF profitieren. Zuletzt hatte Cruyff am 15. Mai 1996 beim spanischen Ligaspiel Espanyol gegen FC Barcelona (1:1) in einer offiziellen Partie als Trainer auf der Bank gesessen. Noch in der Umkleidekabine teilte der damalige Barça-Vize Joan Gaspart ihm die Entlassung mit. In den acht Jahren als Trainer bei den Blau-Roten hatte der Niederländer einen Stil geprägt, der noch heute Schule macht. Das von ihm aufgebaute «Dream Team» spielte einen attraktiven Offensiv-Fußball. Es wurde viermal spanischer Meister und gewann je einmal den spanischen Pokal, den Europacup der Landesmeister und den Cup der Pokalsieger. Seine Auffassung vom Fußball beschrieb Cruyff einmal so: «Viele Trainer predigen immer, dass die Fußballer viel rennen müssen. Ich sehe das nicht so. Fußball wird auch mit dem Kopf gespielt. Es kommt darauf an, im richtigen Moment an richtigen Platz zu sein, nicht zu früh und nicht zu spät.» Sein Stil findet heute bei Barça unter Trainer Josep Guardiola, einem Musterschüler von Cruyff, seine Fortführung. |