Lennart Johansson: Der sanfte Koloss wird 80
Hamburg (dpa) - 05.11.2009, 10:23 Uhr
Lennart Johansson war von 1990 bis 2007 Präsident der UEFA.
Imposant, fast ein wenig furchteinflößend ist seine Gestalt. Doch Gutmütigkeit prägt seinen Charakter. Lennart Johansson, der sanfte Koloss auf der Funktionärsbühne des Weltfußballs, feiert am 5. November seinen 80. Geburtstag. Der schwergewichtige Schwede führte die Europäische Fußball-Union von 1990 bis 2007. Unter seiner Herrschaft wurde die UEFA mit der Geldmaschine Champions League zum reichsten Kontinentalverband. Was von Johanssons Amtszeit in Erinnerung bleibt, ist aber nicht die Transformation des Profifußballs zur großartigen Glitzerwelt oder die durch das Bosman-Urteil 1995 ausgelösten Turbulenzen im Transfer- System. Haften geblieben sind die verlorenen Präsidenten-Machtkämpfe gegen Joseph Blatter und Michel Platini. «Ich habe mich immer fair verhalten, habe nie jemanden angelogen und enttäuscht. Das ist meine persönliche Note», beschrieb Johansson im Januar 2007 seinen für die Fußball-Ellenbogengesellschaft ungewöhnlichen Führungsstil. Kurz zuvor hatte er als erster amtierender UEFA-Chef seinen Posten in einer Kampfabstimmung an Platini verloren. Gegen den schneidigen Reformer aus Frankreich hatte der Hobby-Angler aus Solna mit seiner vornehmen Zurückhaltung nicht punkten können. Neun Jahre zuvor war ihm eine ähnlich schmerzliche Niederlage widerfahren. Der angestrebte Sprung auf den FIFA-Chefsessel wurde ihm von Blatter in Paris 1998 verwehrt.
Um Haupteslänge überragt der 1,92 Meter große und gut zwei Zentner schwere Johansson den körperlich kleinen Schweizer, doch Blatter hatte immer einen Tick mehr Machtinstinkt. Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Blatter Johanssons Niederlage durch geschickte Geschenke an FIFA-Delegierte herbeiführte. Bis 2002 kämpfte Johansson gegen seinen Intimfeind, als er auch dessen Wiederwahl nicht verhindern konnte, bot er dem Rivalen öffentlich die Freundschaft an und konzentrierte sich auf seine kontinentalen Aufgaben. In Deutschland wird Johansson auf Lebenszeit als Freund empfangen. «Ohne ihn hätte es keine WM 2006 gegeben», sagte Theo Zwanziger. Wie kein anderer hatte der DFB-Präsident - letztlich erfolglos - für eine weitere Amtszeit des Schweden gekämpft und dafür sogar anfängliche atmosphärische Störungen mit Platini in Kauf genommen. Schon vor dem deutschen Sommermärchen hatte Johansson 2005 von Bundespräsident Horst Köhler das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik bekommen. «Mit Deutschland verbinde ich viele schöne, großartige Erlebnisse», sagte der mittlerweile zum UEFA-Ehrenpräsidenten und FIFA- Ehrenvizepräsidenten ernannte Funktionärs-Pensionär Johansson.
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