Madrid (dpa) - 04.11.2009, 13:38 Uhr
Spanien bangt um die Zukunft seiner Fußball-Liga. Der Grund ist das Vorhaben der Madrider Regierung, steuerliche Privilegien für ausländische Fußballstars abschaffen.
Die Vereine befürchten, dass sie beim Werben um internationale Stars dann nicht mehr mit Clubs aus anderen Ländern konkurrieren können. «Das Vorhaben bedeutet das Aus für die spanische 'Liga der Stars'», sagte der Vizepräsident der Profi-Fußball-Liga (LFP), Javier Tebas. Die LFP rief die Profi-Vereine für den 6. November zu einer Krisensitzung zusammen.
LFP-Chef José Luis Astiazarán hatte gar mit einem «Streik» der Profi-Clubs gedroht. «Die Steuerpläne der Regierung werden zur Folge haben, dass die spanische Liga nicht mehr die beste der Welt sein wird», sagte er. Die Regierung will erreichen, dass Spanien künftig kein Steuerparadies mehr für ausländische Fußballstars sein wird. Nach ihren Plänen sollen Ausländer, die nur vorübergehend in Spanien leben und mehr als 600 000 Euro im Jahr verdienen, künftig den Spitzensteuersatz von 43 Prozent zahlen. Nach dem bisher geltenden «Beckham-Gesetz» müssen die Stars nur 24 Prozent ihres Gehalts an den Fiskus abführen.
Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado wies die Befürchtungen der Vereine als unbegründet zurück. «Spanien wird auch in Zukunft eine ausgezeichnete Liga haben», sagte sie. Die Steuerreform werde nur für künftige Vertragsabschlüsse gelten. Für die schon jetzt in Spanien spielenden Stars wie Cristiano Ronaldo werde die alte Regelung noch für weitere fünf Jahre gelten. Die Ministerin erinnerte daran, dass das sogenannte «Beckham-Gesetz» eigentlich nicht für Fußballer gedacht war, sondern Wissenschaftler und Erfinder nach Spanien locken sollte. Der Fraktionschef der regierenden Sozialisten, José Antonio Alonso, betonte: «In der Krise müssen alle den Gürtel enger schnallen.»
Der bisherige Steuersatz von 24 Prozent hatte den spanischen Vereinen im Vergleich zu den Clubs in Deutschland oder anderen Ländern große Vorteile beim Werben um Spitzenfußballer gebracht. Die Reform hätte nach Angaben der Zeitung «El País» zur Folge, dass Real Madrid bei seiner geplanten Verpflichtung des Franzosen Franck Ribéry (Bayern München) für die nächste Saison auf neue Schwierigkeiten stieße. «Die Reform macht es unmöglich, Superstars nach Spanien zu holen», meinte Tebas. «In zwei oder drei Jahren wird die Liga, die jetzt eine der besten der Welt ist, nur noch Mittelmaß sein.»