Slowakischer WM-Traum erfüllt: Tränen beim Trainer
Chorzow/Bratislava (dpa) - 15.10.2009, 11:40 Uhr
Im Schneegestöber jubeln die slowakischen Spieler über das 1:0 gegen Polen.
Im Schneegestöber von Chorzow hat sich für die Slowakei ein Fußball-Traum erfüllt. Als die erstmalige Qualifikation für eine WM mit dem glücklichen 1:0-Sieg in Chorzow unter Dach und Fach war, kamen Trainer Vladimir Weiss in der Kabine die Tränen. «Ich liebe alle meine Jungs», schluchzte der Coach ergriffen. Torhüter Jan Mucha, von den Medien als Held gefeiert, sagte stolz: «Spielfeld und Wetter waren katastrophal, aber was soll's: Wir haben einen historischen Erfolg erreicht.» Nicht nur in Bratislava waren die Straßen während der TV-Übertragung des Spiels menschenleer, morgens um halb vier hatten sich immerhin noch 50 Unerschütterliche am Stefanik-Flughafen eingefunden, um ihre Lieblinge willkommen zu heißen. «Der slowakische Traum hat sich erfüllt, wir fliegen nach Afrika!», meldete die Tageszeitung Pravda gleich nach dem Schlusspfiff auf ihrer Internetseite. «Historisch» und «Helden» waren die meistverwendeten Wörter in den Reaktionen von Medien und Fans nach dem Zittersieg, stand doch die Slowakei seit ihrer staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1993 stets im Schatten des «großen Bruders» Tschechien. Dass am Ende ein Eigentor des Polen Seweryn Gancarczyk für das Südafrika-Ticket herhalten musste, kümmerte niemanden mehr.
«Wer selbst in das polnische Schneegestöber gereist war, wird es nicht bedauern, sondern noch in vielen Jahren sagen können: Ich war dabei!», schrieb die staatliche Nachrichtenagentur TASR und selbst die nüchterne Wirtschaftstageszeitung Hospodarske noviny titelte begeistert: «14.10.2009, der Tag, an dem unser Fußball die Geschichte veränderte.» «Wir sind unvorstellbar glücklich, dass wir so etwas Unglaubliches geschafft haben», sagte Kapitän Marek Hamsik im Überschwang der Gefühle und sprach damit seinen Teamkollegen aus dem Herzen. Mit Stanislav Sestak vom VfL Bochum, Petar Pekarik von Meister VfL Wolfsburg und dem Kaiserslauterer Zweitliga-Profi Erik Jendrisek gehören drei in Deutschland tätige Spieler der Auswahl von Vladimir Weiss an. «Während der gesamten Qualifikation haben wir wunderbar als Team zusammengespielt, und so war das auch heute», meinte Sestak. Seit der Coach, der vorher schon mit dem im größten Stadtteil Bratislavas beheimateten Verein Artmedia Petrzalka große Erfolge im Europacup gefeiert hatte, die Nationalmannschaft vom glücklosen Ex- Bundesligaprofi Jan Kocian übernahm, eilt die Mannschaft von Sieg zu Sieg. «Weiss bestätigte, dass er Erfolge magisch anzieht», schrieb TASR. Dass die Slowaken auf ihrem Weg in die WM-Endrunde im direkten Vergleich auch noch die Tschechen besiegten, beflügelte sie zusätzlich. «Wir hatten auch ein bisschen Glück, aber wir haben es verdient», bilanzierte Weiss.
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