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Fußball-Hilfe für Afghanistan

23.07.2009, 10:10 Uhr

Kabul/Frankfurt/Main (dpa) - Noch vor zehn Jahren war das Olympic-Stadium der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Hinrichtungsstätte der Taliban. Jetzt wurde es aus Mitteln des «Goal»-Programms des Fußball-Weltverbandes (FIFA) komplett restauriert.

Aus der vorher holprigen Spielfläche entstand ein herrlicher Rasenplatz. Trotz der zahlreichen Anschläge in dem leidgeprüften Land ist die Begeisterung der Menschen für den Fußball riesengroß. Wer sich Satelliten-Fernsehen leisten kann, sieht mit Begeisterung sogar Spiele der deutschen Bundesliga.

Wenn in Kabul Spitzenmannschaften wie Kabulbank und die Army aufeinandertreffen, ist das Stadion mit 20 000 Zuschauern voll besetzt. «Wir haben keine Angst», sagt Verbandspräsident Keramuddi Karim, ein einflussreicher Mann des afghanischen Militärs. Vier Leibwächter sind ständig in seiner Nähe. Mit großer Mehrheit von 40 Regionalvertretern des Fußballs aus dem ganzen Land wurde Karim kürzlich in seinem Amt bestätigt.

«Wir haben in den letzten Jahren im Fußball große Fortschritte gemacht, trotz aller Gefahren und Erschwernisse», sagt der Präsident. «Vieles haben wir Deutschland zu verdanken», fügt er hinzu. Seit dem Jahr 2003 haben deutsche Experten dem Fußball in Afghanistan wieder Leben eingehaucht, und das nach 30 Jahren Krieg und Zerstörung. Vom Schul- und Jugendfußball über den Mädchenfußball bis hin zu den Nationalmannschaften. Vereine wie Bayern München, Eintracht Frankfurt oder Bayer Leverkusen leisteten materielle Hilfestellung.

Der Topspieler des Landes heißt Hashmat Barakzai, arbeitet für die Kabulbank und bekommt 25 Dollar die Woche. Als 14-jähriger Schüler kam er aus der Provinz Baghlan nach Kabul und hatte sich von Anfang an vorgenommen, Fußballspieler zu werden. Ihn sehen die Zuschauer im Stadion aufgrund seiner ausgefeilten Technik am liebsten. Längst hat er den Sprung in das Nationalteam geschafft, das in der Qualifikation für die WM 2010 in der ersten Runde an Syrien (1:2/0:3) scheiterte.


Für eine Sensation sorgten die Verantwortlichen der Mannschaft der Kabulbank, als sie kürzlich zwei Spieler aus Russland verpflichteten. Bei der Bank arbeitet die Mehrzahl der Nationalspieler. Andere spielen für die Army, die Mannschaft der Universität oder bei kleineren Clubs, die noch nicht einmal Spesen bezahlen können.

Den Unterbau für den Fußball liefert die Jugend, die äußerst erfolgreich ist. So belegte die afghanische U-14 zuletzt bei einem internationalen Turnier in Teheran den zweiten Platz. Um noch mehr für den Nachwuchs zu tun, hat Generalsekretär Ali Askar Lali kürzlich angeregt, eine Straßenfußball-Liga zu starten. Lali gehörte zu den Pionieren des deutschen Projekts im Rahmen der Entwicklungshilfe, ehe er zum Generalsekretär des Verbandes aufstieg.

Erfolgreich hat sich auch der Frauenfußball entwickelt, der vom deutschen Projekt im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde. Aus Sicherheitsgründen finden Spiele bis heute nur im Großraum Kabul statt, immerhin mit 1000 Aktiven. Eine Reise nach Berlin war für die besten Mädchen eine unvergessene Belohnung.

Dank einer Finanzspritze aus Deutschland - in Neu-Isenburg hatten Ex-Profis wie Ronald Borchers ein Benefizspiel veranstaltet und den Erlös über den DOSB nach Afghanistan weitergeleitet - fand zuletzt ein Jugendturnier mit acht Mannschaften unter dem Slogan «Keine Macht den Drogen» statt. Der Austragungsort, die Provinz Uruzgam in Zentral-Afghanistan, ist Zentrum des Drogenanbaus. Die Veranstaltung kam an. Vor allem: Es blieb friedlich. «Auf die Deutschen ist immer Verlass», sagt Verbandspräsident Karim.

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