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Trainer der Seleção beschwören deutsche Disziplin

Pretoria (dpa) - 21.06.2009, 10:54 Uhr

In der brasilianischen Nationalmannschaft ist Disziplin eingekehrt.
In der brasilianischen Nationalmannschaft ist Disziplin eingekehrt.

Die Bürstenhaare von Carlos Dunga und Jorginho stehen für die neue Ordnung in der oft so wilden brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft: Der Chefcoach und frühere Profi des VfB Stuttgart und sein Assistent haben in der Seleção einen Schnitt gemacht.

Konzentration statt Karneval heißt das Motto auch beim Confederations Cup. Deutsche Disziplin? «Sicher, wir versuchen das zu vermitteln, ohne Disziplin geht es nicht. Sich nicht hängen zu lassen, nie aufzugeben - auch das habe ich in meiner Bundesliga-Zeit gelernt», sagte Co-Trainer Jorginho, einst bei Bayer Leverkusen und Bayern München aktiv, in einem dpa-Gespräch in Pretoria.

Regelmäßig tauscht sich der 44-Jährige mit Wolfsburgs Meistermacher Felix Magath und mit Christoph Daum aus. «Dunga und ich informieren uns, was im deutschen Fußball läuft und geben den anderen Trainern Tipps über brasilianische Spieler», sagte Jorginho. Am meisten beeindruckt habe ihn als Profi jedoch Franz Beckenbauer: «Ich habe nur ein halbes Jahr bei den Bayern unter ihm trainiert. Aber das war echt beeindruckend: Er weiß genau, was er machen muss, wie er die Spieler ansprechen muss, wie eine Partie läuft.»

Seit Dunga nach der so enttäuschend verlaufenen WM 2006 in Deutschland Carlos Parreira abgelöst und seinen früheren Nationalmannschafts-Kollegen Jorginho an seine Seite holte, hat sich einiges geändert beim fünfmaligen Weltmeister: Im Mannschaftsbus wird zwar noch gesungen, aber nicht mehr getanzt. Beim Trainingskick feixen und jubeln die Spieler nach wie vor, üben aber auch akribisch Standardsituationen und das ungeliebte Kopfballspiel. Am Rande der Übungseinheiten herrscht - im Gegensatz zur Mini-WM 2005 und WM 2006 - strenge Ordnung. Interviews direkt am Rasen, vor oder nach dem Training? Kein Thema mehr. Dunga hat die temperamentvollen brasilianischen Journalisten in ihre Schranken verwiesen.

Und nicht nur die: «Es gibt keine Stars und keine Stammplätze mehr», sagte der Chefcoach, der den einstigen Zauberkünstler Ronaldinho weggeschickt, den intelligenten Kaká zur Führungsfigur und den kampfstarken Bayern-Profi Lucio zum Kapitän gekürt hat. Der 45-Jährige, der Brasilien 1994 als Kapitän zum WM-Titel geführt hatte, betonte, dass er als Profi sowohl in Deutschland als auch Japan und Italien viel gelernt habe: «Es gibt keinen italienischen, deutschen oder brasilianischen Fußball. Wenn wir den Ball nicht haben, verteidigen wir Wenn wir ihn haben, müssen wir angreifen und versuchen, ein Tor zu machen.» Aber etwas hat sich Dunga in seinen zwei Jahren beim VfB zu eigen gemacht, wie er zugibt: «Wenn die Deutschen sich etwas vorgenommen haben, dann sind sie sehr entschlossen und lassen sich durch nichts davon abbringen.»


Auf dem Weg zum angestrebten WM-Titel 2010 führten Dunga und Jorginho auch die Rotation ein. «In Europa denken die Trainer anders, sie wechseln viel und am Ende gibt es 15 oder 16 Stammspieler. Das kann auch eine neue Mentalität in der Selecao sein», erklärte Superstar Kaká. Lucio lobte: «Dunga führt die Seleção sehr gut. Er spielt mit offenen Karten, das gibt uns Vertrauen.»

Vertrauen, das sich Dunga und Jorginho bei den fußballverrückten Brasilianern immer wieder neu erarbeiten müssen. «Als ich gekommen bin, haben sie gesagt, dass ich nach drei Monaten wieder weg bin. Aber mich interessiert nicht der Posten, sondern die Arbeit. Ich bin nicht hier, um irgendjemand zu gefallen, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen. Die geben nie Ruhe», sagte Dunga. Der brasilianische Nationaltrainer, hatte er mal selbst gesagt, habe mehr Verantwortung als der Staatspräsident. «Zehnmal mehr», erklärte nun Jorginho - ohne das Gesicht zu verziehen.

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