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Viva Vuvu: Tröten-Terror verspricht WM-Rekord

Johannesburg (dpa) - 19.06.2009, 12:05 Uhr

Auch ein brasilianischer Fan pustet beim Confed-Cup kräftig in eine Vuvuzela.
Auch ein brasilianischer Fan pustet beim Confed-Cup kräftig in eine Vuvuzela.

1:0 für Südafrikas ohrenbetäubende Vuvuzelas: FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Plastik-Tröten der Fußball-Fans am Kap «Grünes Licht» für die WM-Stadien gegeben.

Damit kündigt sich eine der lautesten Weltmeisterschaften der Fußball-Geschichte an. Und eine öffentliche Debatte, die erst an ihrem Anfang steht. Verdutzte Journalisten am Kap berichteten über diverse Anrufe von Medienhäusern aus aller Welt. «Ein britischer Sender bat mich sogar, die Vuvuzela mal ins Mikrofon zu blasen», meinte ein Rundfunk-Moderator.

«Ich kann nicht sehen, wie wir südafrikanischen Fußball-Fans die Art und Weise vorschreiben können, in der sie den Fußball feiern«, hatte Blatter in einer Reaktion auf Beschwerden von Spielern sowie Rundfunk- und TV-Gesellschaften erklärt. Die armlangen Trompeten seien nun mal Teil der südafrikanischen Kicker-Kultur. Am Kap war ihm damit öffentlicher Beifall gewiss. Selbst gestandene politische Kommentatoren applaudierten, als Blatter mit den Worten zitiert wurde: «Es ist ein lokaler Sound, und ich weiß nicht, wie man einen lokalen Sound stoppen kann; das hier ist Afrika!»

«Hände weg von der Vuvuzela!», schrieb die prominente Moderatorin Redi Direko in einer Kolumne. Auf den Einwand, die Tröte sei ein Instrument für Hooligans, meinte sie: «Wie bitte? Wer Hooligans bei Fußballspielen sehen will, dem kaufe ich gerne ein Flugticket nach Europa!» Der traditionelle Fan-Artikel sei in gewisser Weise der 12. Mann auf dem Spielfeld der Südafrikaner, sagte Sportjournalist Lesiba Langa, der empfindlichen Seelen Ohrenstopfen empfahl. «Es scheint, als ob uns das Instrument weltweite Aufmerksamkeit beschert hat!»

Viel Hoffnung schien auch Blatter nicht zu haben, dass die Südafrikaner das wichtigste Accessoire des Fußball-Fans bei der WM zu Hause lassen würden. Es gehört zur südafrikanischen Kicker-Folklore wie der Elefant zum Krüger-Nationalpark oder der Tafelberg zu Kapstadt. Voller Stolz hatten es die WM-Gastgeber als eine Art Sieg gefeiert, als die FIFA lange vor dem Anpfiff des Confederations Cup ihr Okay für den Einsatz der Krachmacher in den Stadien gab.


Die bisher schärfste Kritik kam von Spaniens Mittelfeldspieler Xabi Alonso, der sogar ein Verbot der lautstarken Plastik-Trompeten gefordert hat. «Die Vuvuzelas sind ein Ärgernis und fügen nichts zur Atmosphäre hinzu, sie sollten daher verbannt werden», meinte er nach Spaniens 1:0 über Irak. Brasiliens Stürmerstar Robinho lästerte: «Sie erschweren die Kommunikation auf dem Platz ganz, ganz, ganz arg. Manchmal konnten wir unseren Trainer Dunga nicht mehr hören, manchmal nicht einmal die Mitspieler.»

Blatter schob diese Bedenken mit der Bemerkung beiseite, es gebe keine Studien, die einen schädlichen Einfluss der Vuvuzelas auf das Gehör belegten. Zudem: «Wenn die Leute in Clubs oder Discos gehen, dann gibt es da ja auch laute Musik.» Dagegen warnt Carina Wolmarans, Vorsitzende des nationalen Verbandes der Hals-, Nasen- und Ohrenärzte eindringlich vor möglichen Schäden.

Die Südafrikaner versuchen nun trotzig, ihre Fans mit den Tröten zu ihrem Vorteil einzusetzen. Vor dem Spiel der Bafana Bafana gegen Spanien rief sie der Teamchef der Gastgeber auf, den jammernden Spaniern mal so richtig den Marsch zu blasen. «Es ist wichtig für uns, dass die Vuvuzelas so laut wie möglich in Bloemfontein geblasen werden; wir brauchen diese Art leidenschaftlicher Unterstützung unserer Fans!», meinte Südafrikas Kapitän Aaron Mokoena.

Der Chef des Nationalen Organisationskomitees, Danny Jordaan, reagierte mit trockenem Humor. Sicher werde man nach dem WM-Test noch mal über die Vuvuzelas reden. Es könne ja immerhin sein, so Jordaan im Rundfunk, dass ein ausländischer Fan die Plastiktröte als Wurfinstrument missversteht und auf den Rasen wirft.

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