Die US-Bradleys: Wenn der Vater mit dem Sohne...
Pretoria (dpa) - 15.06.2009, 11:23 Uhr
Michael Bradley im Trikot der US-Nationalmannschaft.
Familienbande und Vetternwirtschaft? Michael Bradley muss sich solcher Vorwürfe nicht mehr erwehren. Der Bundesliga-Profi von Borussia Mönchengladbach spielt beim Confederations Cup in Südafrika für die USA - unter seinem Vater Bob. Die amerikanischen Medien loben den 21-jährigen Sohn des Nationaltrainers als einen «hochbegabten Spieler», von Bevorzugung spricht kaum noch jemand. «Er hat mich immer mitgenommen. Zum Training, im Mannschaftsbus, zu den Spielen - ich war immer dabei», sagte der Mittelfeldspieler in einem dpa-Gespräch. «Er hat aber nie Druck auf mich ausgeübt. Er hat mich deshalb so aufgezogen und gefördert, weil er genau wusste, dass ich den Fußball liebe.» Aufgrund der familiären Konstellation hatten es die beiden Bradleys in der Vergangenheit nicht immer einfach. Als der damals 16- jährige Michael 2004 von den New York/New Jersey Metro Stars geholt wurde, wo Bradley senior Trainer war, gab es hämische Kommentare. Doch die Kritiker sind spätestens seit Michaels vier Toren in der WM- Qualifikation verstummt. Beim 2:0-Sieg am 11. Februar gegen Erzrivale Mexiko machte der Gladbacher gar beide Tore. Als Bob Bradley anschließend auf die Leistung seines Sohnes angesprochen wurde, meinte er: «Ich bin sein Trainer, es geht hier ums Team. Außerdem habe ich drei Kinder und bin auf jedes einzelne stolz. Ich habe eine großartige Familie, ich bin ein glücklicher Mann.»
Nur drei Tage später erzielte der 13-malige Nationalspieler auch das Tor zum 1:1 für die Borussia bei Werder Bremen. «Bradleys große Woche», hieß es auf der Homepage des US-Fußball-Verbandes. Normalerweise gehörten die Schlagzeilen eher seinen Nationalmannschaftskollegen Clint Dempsey (FC Fulham), Tim Howard (FC Everton) oder DaMarcus Beasley (Glasgow Rangers). Oder Landon Donovan wegen seines kurzen Gastspiels beim FC Bayern München. Während die Partien aus der Premier League oft im Fernsehen gezeigt werden, gab's von Mönchengladbach noch nie ein Live-Spiel in Amerika. Bob Bradley hat seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2007 viele junge Spieler eingesetzt - unter anderem seinen Filius. Als Nachfolger von Bruce Arena, der das US-Team 2002 ins WM-Viertelfinale gegen Deutschland geführt hatte, hat der Nationalcoach keinen leichten Stand. Ursprünglich wollte der Verband Jürgen Klinsmann holen. Erst nach dessen Absage kam der damalige U 23-Trainer, dem seine fehlende Europa-Erfahrung vorgeworfen wird, ins Gespräch. |