Bloemfontein (dpa) - 14.06.2009, 12:31 Uhr
Brasiliens Samba-Kicker sind müde, aber beim Training mitten im Township Kagisanong entfachten die tanzenden und singenden Hüttenbewohner auch bei Kaká & Co. Vorfreude auf den Confed-Cup.
Die rund 6000 schwarzen Fans weckten mit ihrer ansteckenden Partystimmung bei der öffentlichen Übungseinheit im Stadion «Seisa Ramabodu» am Stadtrand von Bloemfontein Vorfreude auf ein stimmungsvolles Fußballfest. Auch die Ärmsten der Armen konnten bei freiem Eintritt einen Blick auf die Millionen-Stars vom Zuckerhut erhaschen. «Wir waren beeindruckt», berichtete Abwehrspieler Maicon: «Viele von den Leuten, die beim Training waren, werden sich einen Stadionbesuch bei den Spielen wohl nicht leisten können.»
Das 45 000 Besucher fassende «Free State Stadium» in Bloemfontein soll dennoch fast ausverkauft sein, wenn Rekordweltmeister Brasilien gegen Afrika-Meister Ägypten die erste Hürde auf dem Weg zur angestrebten Titelverteidigung nehmen will. «Wir sind nicht der heiße Favorit, aber wir kämpfen um den Titel, das ist unser Ziel», verkündete Kapitän Lucio. Der Abwehrspieler vom FC Bayern München ist im Team von Trainer Carlos Dunga gesetzt, Josué vom deutschen Meister VfL Wolfsburg zählt dagegen nicht zur Startelf.
Nach den kraftraubenden Partien gegen Uruguay (4:0) und Paraguay (2:1) in der südamerikanischen WM-Qualifikation mussten Lucio & Co. auch noch die Reisestrapazen und eine Zeitumstellung von fünf Stunden verkraften. «Wir stehen am Ende einer anstrengenden Saison, das macht die Dinge schwierig für uns», stöhnte Stürmerstar Robinho. «Aber auch wenn die Saison lang war, müssen die Spieler mental positiv bleiben und immer an den Sieg glauben», forderte Coach Dunga, der auf Stars ohne Form wie Ronaldinho bei der Mini-WM verzichtet. «Brasilien spielt immer, um ein Turnier zu gewinnen», betonte Dunga.
Weltmeister Italien gilt als Hauptkonkurrent in der Gruppe, ein vorzeitiges Aufeinandertreffen mit Europameister Spanien schon im Halbfinale soll unbedingt vermieden werden. «Der Confed-Cup ist ein schwieriges Turnier», warnte Robinho und ergänzte: «Das erste Spiel bei einem Turnier ist immer kompliziert. Gerade auch, weil wir nicht viel wissen über die Ägypter.» Von den brasilianischen Stars nicht ganz ernst genommen zu werden, darauf hofft der Afrika-Meister. «Wir kennen unsere Stärke, und sollte uns der eine oder andere unterschätzen, ist das ja nicht von Nachteil», bemerkte Angreifer Mohamed Zidan vom Bundesligisten Borussia Dortmund.
Im abgeschieden gelegenen Teamhotel «Bloem Spa Lodge» auf einem Hügel außerhalb Bloemfonteins ist Real Madrids Kaufrausch in der Tat ein heißeres Gesprächsthema unter den brasilianischen Akteuren. Bei den täglichen Pressekonferenzen ging es hauptsächlich um die spektakulären Transfers von Teamkollege Kaká und den sich anbahnenden 93-Millionen-Euro-Deal des Portugiesen Cristiano Ronaldo. «Kaká ist ein spektakulärer Spieler. Er kann mit Real Geschichte schreiben und wieder der beste Fußballer der Welt werden», äußerte der Ex-Madrilene Robinho über seinen Teamkollegen. «Ob Cristiano Ronaldo das Geld wert ist, weiß ich nicht», stichelte der Stürmer von Manchester City dagegen über den Dribbelkünstler von Lokalrivale Manchester United.