Wieder die ersten am Kap - Oranje im WM-Fieber
Amsterdam (dpa) - 07.06.2009, 14:27 Uhr
Robin van Persie (r) im Zweikampf mit dem Isländer Indridi Sigurdsson.
Jubel und Stolz fast ohne Grenzen: Einst waren die Holländer die ersten Europäer, die sich am Kap der Guten Hoffnung niederließen. Jetzt - gut 350 Jahre nachdem Jan van Riebeeck am Fuß das Tafelbergs eine Station zur Versorgung niederländischer Schiffe errichtete - erwiesen sich auch Hollands Nationalkicker mit dem 2:1 gegen Island als echte Südafrika-Pioniere. Dementsprechend euphorisch feierten Trainer, Spieler und Medien den Durchmarsch mit sechs Siegen in sechs Spielen bei 14:2-Toren. «WM-Ticket in der Tasche!», titelte die Zeitung «De Telegraaf» zu einem Bild, das den Ex-Hamburger Nigel de Jong und Bayern-Kapitän Mark van Bommel in freudiger Umarmung zeigt. Mit ihren beiden Toren in Reykjavik haben sie dem Oranje-Team als erstem in Europa die Teilnahme an der Fußball-WM am Kap der Guten Hoffnung gesichert - und das 369 Tage vor WM-Beginn. «Wir haben eine Mission. Wir wollen noch besser werden», tönte Bondscoach Bert van Marwijk. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2008 fordert der Nachfolger von Marco van Basten auch in den bedeutungslos gewordenen letzten beiden Spielen der Gruppe 9 gegen Norwegen und Schottland maximale Punkteausbeute. «Wir sind zwar nicht der WM-Topfavorit, aber mit dieser Mannschaft müssen wir in Südafrika eine wichtige Rolle spielen», erklärte Verbandsdirektor Henk Kesler.
Ausgelassen feierten die rund 1500 eigens nach Reykjavik geflogenen Fans. Und daheim heizten Hunderttausende zwischen Maastricht und Groningen, Enschede und Amsterdam mit «Biertje en Jenever» in Volksfeststimmung das niederländische WM-Fieber an. «Mit Rekord fahren wir nach Afrika!», war immer wieder zu hören. Dass die Ersten am Ende manchmal die Letzten sind, weiß man im bibelfesten Holland. Van Marwijk dürfe sich nach der vorzeitigen WM-Qualifikation auf keinen Fall in Sicherheit wiegen, warnte «De Telegraaf». «Die echte Prüfung findet erst in Südafrika statt. Und zwar gegen Teams mit mehr individuellen Qualitäten und besserer Mannschaftsorganisation.» |